Atlantik 18 Wir – rammen einen Wal (Landfall Horta, Azoren)

Datum: 27.05.2012

TIME: 2012/05/27 0300UTC

Tag 18

Abendrood bringt Wooder in den Troog

Das gibs nicht. Der Wind schlaeft voellig ein und wir duempeln den ganzen Tag wenige Meilen vor unserem Ziel herum. Man spuert, wie sich zwei Wettersysteme abloesen und dazwischen eine kurze Pause einlegen; das Sturmtief scheint tief Luft zu holen und sich bereit zu machen. Wir sparen Energie fuer die Ankerwinsch. Nur das Noetigste wird angeschaltet, keine Positionsmeldung in der SSB Funkrunde. Der Gennacker geht hoch und runter, bringt aber alles nichts. Erst zum Abend hin setzt sich mit einem gefaehrlich schoenen Sonnenuntergang eine leichte Brise mit 10-15kn durch. Beide Generatoren machen wieder etwas Strom fuer den Autopiloten.

 

Dann etwas UNGLAUBLICHES:

Es erwischt uns – oder besser: wir erwischen ihn!

Bei ca. 4-5kn Fahrt wird das Boot ploetzlich brutal mehrere Sekunden lang bis zum Stillstand abgebremst. Eine enorme Kraft wirkt und ein gruseliges Gefuehl macht sich breit, der Bug taucht massiv nach unten weg, als wuerde das Boot vornueber kippen, Gegenstaende sausen vom Kartentisch; dann kommt der Bug wieder hoch. Ich rutsch fast aus der Koje. Man SPUERT es, das Tier unter dem Boot und dass es weh tut. Wir haben einen Wal gerammt. Ich kann’s nicht glauben. Mein Puls rast und ich bin ganz starr vor Schreck. Irgendwie erwarte ich noch einen Schlag oder etwas aehnliches. Aber es passiert nichts weiter. Der Autopilot korrigiert den Kurs und das Boot nimmt langsam wieder Fahrt auf. Steffi schlaeft und hat von dem einmaligen Erlebnis ueberhaupt nichts mitbekommen. Ich lass sie schlafen und huehner nervoes durchs Boot, schau unter die Bodenbretter, aber das Boot scheint keinen Schaden genommen zu haben. (*Das ist nicht das erste Mal, dass unser Boot eine schmerzhafte Begegnung mit einem Wal hat, wie wir vom Voreigner Erfahren. Siehe Kommentare)

Am naechsten Morgen hoeren wir die Logge rasseln, das Display zeigt NO DATA. Offenbar hat die kleine Wasserschraube vor dem Kiel etwas abbekommen. Der Schleppgenerator trudelt hinter dem Boot her: Ein Fluegel hat sich mitsamt Schrauben verabschiedet.

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Zum Morgengrauen wieder totale Flaute und neuer Swell aus Nord-West. Kleine Puffs kommen von allen Seiten, Vorboten des Tiefs, und obwohl wir zwischen 4 und 8 Windknoten haben, laesst sich der ausgebaumte Gennacker nicht zum stehen bringen.

Die ZEEVONK meldet sich ueber VHF. Sie kann ebenfalls beide Diesel-Outborder nicht starten und wird in den Hafen segeln muessen.

Gegen 1000 UTC dreht der Wind auf N, dann weiter auf N-W und nimmt ruckartig auf 25kn zu. Endlich wieder Wind. Eine Batteriebank ist mit 11.7 Volt fast leer, die Batterie fuer die Ankerspill ist aus welchen Gruenden auch immer nur auf 12.2 Volt. Wir brauchen dringend Energie. Schnuppi besteht darauf, dass nochmal ein Fluegel fuer den Generator gebastelt wird. “Muss ja nichts Schoenes sein”, secht si, mien Fru. Das ist ein sehr guter Impuls, denn wenig spaeter haben wir einen aus einem Speckbrett gezimmerten Fluegel, der aber fuer die verbleibenden Stunden seine Dienste tun und mit dem zweiten, noch intakten Fluegel bei 7-8kn ordentlich was produzieren wird.

Dann bricht der graue Himmel auf, die Sonne bringt wieder Farbe ins Bild und Schnuppi erkennt es zuerst:

“Laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaand! Laaand voraus”.

Gar nicht weit vor uns leuchtet wie ein Planet eine herrrrlich gruene, schroffe Felseninsel mit einem stumpfen Vulkankegel oben drauf. Fast wie auf Lummerland. Tolles Gefuehl, nach langer Zeit auf dem Wasser endlich wieder ein Stueck vom soliden Teil der Erde zu sehen. Wir druecken uns ganz fest und geniessen den Moment.

Ein paar Stunden spaeter luven wir um dem beeindruckenden Felsbrocken am Sud-Ost Ende von Faial, rollen die Fock klein, fahren hinter den Breakwater im Hafen, drehen einen Kreis und lassen den Anker fallen.
Vor uns liegt die kleine LUNA von Daniel, der seit 4 Jahren alleine um die Welt segelt, der auch gleich mit seinem Dingi heruebergefahren kommt und uns begruesst. Kurz nach uns kommt die ZEEVONK und die Kinder begruessen die beiden netten Hollaender auf dem Baum sitzend und winkend wie Familenmitglieder. Dabei haben wir die beiden noch nie im Leben gesehen.
Wattn herrrliches Ankommen.

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11 Responses to Atlantik 18 Wir – rammen einen Wal (Landfall Horta, Azoren)

  1. Katja says:

    Kommentar war an die falsche Stelle gerutscht. Also noch mal: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!!! Schön, dass Ihr im Hafen seid. Liebe Grüsse Mike, Niklas + Katja

  2. der schiffsjunge says:

    Liebe Leute,
    was schreiben, außer: ich bin bewegt und freu mich tierisch für und mit Euch! ´bin die letzten Einträge mit Euch gesegelt.
    Den Wal zu wecken (nehme an, er schlief?) war sehr spannend zu lesen! Und nachdem Du, Volker, geschrieben hast, Dich hätt´s fast aus der Koje gedonnert, nehm ich auch an, dass Du auf Nickerchen warst? Gottseidank is´ nix passiert.
    Geschrieben von Balkonien in der Sonne, Bier und Rauchware sind mein. Das starke Gefühl am Schiff zu sein, kaum zu bändigen;-))
    Also, der Schiffsjung´ verfolgt Euch hungrig weiter!

    PS. Hab ne Info zur SY Petra beim entspr. Blogeintrag hinterlassen.

  3. Uli und Renate says:

    Ihr wart ja richtig schnell. Herzlichen Glückwunsch für die gelungene Überfahrt. Genießt noch die Azoren. Wir fanden sie wunderschön!
    Bei uns gibt es auch Neues zu vermelden. Lola hat ihre Jungen. Ich werde bald Bilder einstellen ( http://www.perro-de-aguas-azules.de).
    Meldet Euch unbedingt wenn Ihr bei uns in der Nähe seid. Vielleicht können wir ein Treffen arrangieren.
    Liebe Grüße besonders an die beiden “Leicht”Matrosen
    Uli und Renate

  4. Stefanie Jentzen says:

    Hallo ihr 4!
    Ihr habt es geschafft!

    Wir haben Eure Berichte die ganze Zeit gespannt verfolgt und freuen uns Euch bald in Kiel in den Arm nehmen zu können!
    Lieben Gruß von Steffi, Kai, Chiara und Giulia

  5. Ente says:

    Moin Schnuppiiiiiiii und Family!

    Habe soeben mit viel Verspätung Volkers Logbug der Überführung Eures Haus-Ersatzes nach Laboe gelesen. Respekt-Respekt! Von der Lektüre noch ganz seekrank bin ich erst einmal auf allen Vieren in den Garten runter und in die Hängematte gekrochen – gerade so wie seiner Zeit die drei Überführer auf die Insel Guernsey gekrochen sind. Habe früher immer mal wieder von einer Atlantiküberquerung geträumt – jetzt nicht mehr!
    Wie ich weiter lese, dürfte es ja nicht mehr so lange dauern, bis die Hitch-Hike-Heidi erneut in Laboe festmacht. Da bin ich ja mal gespannt…!!!
    Nina hat für Line und Jonne einen “Korken” reservieren lassen. Was das ist? Segelersatz für einen pensionierten Ohrenknieper, nachzulesen unter http://www.winfrid-budde.de
    Bis die Tage, Greti (ist vom Bericht immer noch grün im Gesicht) und NT!

  6. Röde Orm says:

    Ahoi!
    Schön, dass ihr auf den Azoren seid.
    Manoman… Das war ja n ganz schöner Schreck. Erst der doofe Jockel und dann der pennende Wal.

    Wat hat denn nu die Inspektion ergeben? Kiel und Gebälk ok? – Jockel auch wieder fit?

    Grüßt mal die Dievago, falls ihr die da auf den Azoren trefft – Is son Kat.

    Bis bald in Kiel!!!! :-)

    LG von der Röden Orm

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    Moin Kpt. Orm – nö, der Modor is sosusagen noch im Dutt. Ich hab das teil nun zerlegt und die Injector Pump ausgebaut. Die hat wohl einen Schlach wech und muss “rebuilt” werden. In einer Woche ist die fertig und dann springt das Geraet hoffentlich wieder an. Bis auf den fuck-up mit der Maschine war die Ueberfahrt sehr schoen! Die Kurzen waren klasse. Liebe Gruesse, dein Kpt.+Crew

  7. Loblollians says:

    Congratulations. Loblolly encountered many whales in the same location(1998) and drifted with moms and calves for hours. Loblolly in Newfoundland also hit a whale with equally frightening but undamaging effects! Please look for our painting on “the wall”.

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    Hi Mark! She really is a sturdy boat. Would have been some sort of a challenge with a fin keel, I reckon. Poor creature. I think it really hurt… We did not find the painting, yet. Where is it?

    Fair Winds!
    Steffi Line Jonne Volker

  8. Opa Hans says:

    Ihr lieben Seeleute,
    mit dem letzten Tag auf See war ja wirklich spannend. Ist nun wieder alles klar an Deck? Wir machen eine Kreuzfahrt und sind 23. 06. 12. den ganzen Tag in Amsterdam. Vielleicht seid Ihr auch da ?
    Viele Grüße Opa Hans

    __________________

    Moin Fadda! Wir schaun, dass wir Mitte Juno durch den Kanal kommen. Wie heisst denn euer Damper?

  9. Kpt. says:

    Moin Kpt. Orm – nö, der Modor is sosusagen noch im Dutt. Ich hab das teil nun zerlegt und die Injector Pump ausgebaut. Die hat wohl einen Schlach wech und muss “rebuilt” werden. In einer Woche ist die fertig und dann springt das Geraet hoffentlich wieder an. Bis auf den fuck-up mit der Maschine war die Ueberfahrt sehr schoen! Die Kurzen waren klasse. Liebe Gruesse, dein Kpt.+Crew

  10. Röde Orm says:

    Ahoi ihr,

    Leider ist unsere Maschine im Moment auch etwas schwach auf der Brust. Bis wir in die Kanäle kommen muss die noch ein bisschen geknuddelt werden.

    Wir hoffen Eure ist bald wieder fit – so wie unsere hoffentlich auch bald.

    Machts besser. Auch guten Wind für den Rest!

    Over

    Eure Rödis

  11. Opa Hans says:

    Ihr lieben Seeleute.
    Ich melde mich zum letzten Mal vor der Kreuzfahrt zum Nordkap. Jetzt heißt es Kofferpacken. Ich habe dem Kpt. eine e-mail gesendet. Das Schiff heißt:
    MSC LIRICA. “Nun -Schiff – Ahoi-” für uns alle, mit baldigen Wiedersehen
    und besten Grüßen von
    Opa Hans

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