Nordsee 4 und 5

TIME: 2012/07/09 19:03 LATITUDE: 53-52.46N LONGITUDE: 008-42.39E MARINE: YES WIND_SPEED: 30+ WIND_DIR: 270 WAVE_HT: 4-5M SWELL_DIR: W SWELL_HT: 4M CLOUDS: 90% BARO: 1012 TREND: 2 COMMENT: Viel Wind, grobe See

TAG 4

Das Barometer faellt innerhalb von 6 Std. stetig von 1015hPa auf 1011hPa, dann faehrt der Schreibarm einen scharfen Zacken nach oben, 7hPa in 6 Std., was nicht besonders Besorgnis erregend ist.
Eine Kaltfront kuendigt sich an. Wir erwarten eine gewisse Wetteraktivitaet, sind aber nicht besonders alarmiert. Auf Kanal 16 empfangen wir die Ankuendigung einer Securité-Meldung der belgischen Coastguard, die allerdings derart genuschelt ist, dass wir lachen muessen und den Kanal, auf der sie gesendet werden soll, nicht verstehen. Nach der naechsten Ankuendigung einige Std. spaeter, nochmal das gleiche. Wir suchen mit dem Scanner die Frequenzen und kriegen eine Windwarnung: Texel 7 Bft, WSW.

Alles klar. Schnelle Luft, wir werden also gut vorankommen.

Was wir zum Abend bekommen sollten, wird mit ueber 40kn in den Spitzen etwas mehr sein, vor allem aber mit Abstand die groebste See, die wir in diesem Jahr erleben mussten. Wir sind froh, dass wir die Traffic-Separation Zone an Steuerbord gelassen haben und uns offshore frei bewegen koennen. Wir binden ein Reff ein, sind aber schon wenige Std. spaeter nur unter kleinem Gross voellig ueberpowert und braten mit knirschendem Gebaelk mit 10kn durch die Nacht (14kn SOG). Es ist nun nicht so, dass uns groessere Wellen erschrecken; aber was sich jetzt achteraus aufbaut, bricht zu gewaltigen Walzen und ist schon etwas gefaehrlich. Wir haben bedenken, fuer den Reffvorgang zwischen den Wellenkaemmen kurz anzuluven, um das Gross von den Salingen frei zu kriegen, und dann wieder mit der Restfahrt die Welle runterzurutschen. Kommen wir quer und erwischt uns das Weisswasser von der Seite, kann das boese ausgehen.

Der Kpt. un sin Fru fassen sich zwei Herzen, finden den richtigen Zeitpunkt und bergen das Gross im Gejaule zwischen zwei Walzen. Eine der Kohle/Schaum Latten geht zu Bruch. “Wenn das der Preis bleibt, ist das guenstig”, denken wir uns. Wir rollen die Genua ein kleines Stueckchen ein und machen immer noch 8kn, genug um Kurs halten zu koennen.

Schlaf wird zwischen dem Kpt. un sin Fru hoch gehandelt; leider es ist nicht viel zu kriegen. Den Loewenanteil bekommt der Kpt., aber mehr als eine Std. ist auch nicht drin, dann gibt’s schon wieder einen Alarm. Nicht unweit genau vor uns formieren sich auf dem Radarschirm mehrere Objekte, die auf dem AIS nicht erscheinen, auf unserer neuen Navionics-Karte aber auch nicht als sationaere Hindernisse verzeichnet sind. Mittlerweile ist es schon hell, es regnet horizontal, die Sicht ist schlecht, sehen tun wir nichts. Wir sind immer noch sehr fix unterwegs, koennen aber unseren Kurs nur ca.10 Grad aendern, und so bleibt nicht viel Zeit, entsprechend zu reagieren.
Dann wird klar, dass die Echos systematisch angeordnet sind. Ein Windpark! AAAAh. Verflucht.
Gerade eben so schaffen wir es, uns von den Raedern des Windparks freizuhalten, der auf unseren neuen (!) Navionics-Karten nicht eingezeichnet ist.

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TAG 5

Die Kurzen wachen wie immer lustig auf. Jonne hat von Line den Auftrag bekommen, sie ganz frueh zu wecken. Sie will so frueh wie moeglich nachsehen, ob ihr Schiffstier noch an Bord ist. Seit Durchzug des Tiefs haben wir naemlich eine Taube an Bord, die voellig im Eimer ist. Die ist so froh, nicht notwassern gemusst zu haben, dass sie sich von ihrer neuen Besitzerin sogar streicheln laesst. Dafuer bekommt der Vogel natuerlich umgehend All-Access-Kackrechte erteilt und pflastert das Cockpit mit gruen-weisser glitschiger Schmiere zu. Line ist etwas frustriert, weil der Vogel unkooperativ ist. Er will einfach nicht den eingerollten Brief an sich ranzulassen, den Line ihm in die Brustfedern zu schieben versucht. (Die Kurzen haben eine gruene Plastikhuelse am Fuss entdeckt und sind sich sicher, dass es sich hier um eine klassische Brieftaube handelt. Vielleicht haben sie ja recht.)

Der Rest des Tages bleibt windreich, etwas abnehmend, die See grob; aber wir sind im Ganzen einen Tag schneller, als urspruenglich erwartet. Die Kinder spielen den ganzen Tag Playmos. Der Vogel mit der Nummer DAN 239 am Fuss sieht inzwischen wieder besser aus und verlaesst uns um 1700 UTC mit klatschenden Fluegelschlaegen, ohne Brief allerdings. Kurz darauf entdeckt Jonne Deutschland am Horizont. Beide sind total begeistert, als wir ihnen sagen, dass das ihr Heimatland ist. Jonne ist nur etwas entaeuscht, weil es “eine so kleine Insel” ist. Gegen 1800 UTC laufen wir dann trotzdem bei Hochwasser in Cuxhaven ein.

 

Die letzte Position im Blogroll stimmt nicht. Wir sind nicht bei Renesse in Holland gestrandet, sondern befanden uns rund 60 Meilen noerdlich davon.

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One Response to Nordsee 4 und 5

  1. Julia says:

    Moin Ihr Seeräuber, nun seid ihr schon in Cuxhafen und wir dümpeln hier noch immer in Frankreich rum. Eine muntere Fahrt durch den NOK und Sonne in Kiel!! Lieben Gruß von den vier Wikingern!

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