Atlantik 4 – Landfall Porto Santo, Madeira

Der Kpt.bekommt einen Kaffee, der bald darauf wieder scharfe Umrisse sieht.
„Mann, guck mal, wir sind wirklich voellig woanders!“
Der Kpt. zwaengt seinen Kopf an sin Fru vorbei durch die Vorluke, will auch gucken. Die gigantischen schwarzen Schatten des Inselarchipels, die sich beim Einlaufen gestern Nacht noch so massiv von einem nachtgrauen Himmel abhoben, haben sich mit Farben gefuellt und leuchten nun braun und rot in der Morgensonne.

PHAE – NO – ME – NAL!

Zum-verrueckt-werden eintoenig.

Die totale Einoede des Bergmassivs, das sich vor ihnen in einer merkwuerdigen Tiefenschaerfe auftuermt, nimmt uns den Atem, nicht zuletzt wegen der 30 Windknoten, die immer noch den Windgenerator heiser heulen lassen. Irre. Wir sind auf einem Mond gelandet.

Unsere Blauwasserfahrt war eine Donnerfahrt fast vom ersten Moment an. Wir hatten bei leichtem Wind in der ersten Nacht und bis zu 30kn waehrend der zweiten Haelfte Etmale von ueber 150 Meilen gemacht, wobei wir maximale Geschwindigkeiten von ueber 11kn ue.G. auf der Uhr hatten. Fuer unsere dicke alte Dame sind das ganz beachtliche Zahlen.

Nachdem die Spibaumschiene (mit der wir die Genua ausgebaumt hatten) aus dem Mast pilzte, mussten wir im zweiten Abschnitt den Kurs um 20° anspitzen und vor dem Wind kreuzen, um eine aehnlich gute durchschnittliche VMG von mind. 7-8kn zu erreichen. Im Ganzen schafften wir die knapp 505 Meilen von Peniche nach Porto Santo (direkter Weg – die gesegelte Strecke war wegen unseres angespitzten Kurses länger) dann in 79 Std..

Wir brauchen jetzt mal eine Weile, bis wir die Eindruecke unserer ersten richtigen Blauwasserfahrt im Familienverbund verarbeitet haben. Fuer immer auf die Innenseiten unserer Augenlider eingebrannt haben wird sich das unglaubliche Blau des Meeres, von der eine ungeheuer intensive Kraft ausgeht. Kein noch so pixelstarkes Foto wird den Effekt des leuchtenden Azurblaus auch nur annaehrend vermitteln koennen.

Der Toern war ja, verglichen mit einer Atlantikueberquerung, nur ein kurzes Ende; und doch scheint es schon nach kurzer Zeit im Empfindngsbereich ‚Essensaufnahme‘ zu einer ganz besonderen Veraenderung zu kommen. Selten zuvor – will heissen: eigentlich noch nie – konnte unsere Menuekarte; a la „Nudeln mit Fleischkkloessen“,“Gemuesesuppe“, oder „Kartoffelbrei mit Spiegeleiern und Parmaschinken“ sowas wie Verzueckung hervorrufen, dass selbst unsere kleinen Atomraketen Jonne und Line still in ihren Abschussrampen am Tisch verharrten und voellig benommen offenbar echte Geschmackserlebnisse hatten!

Mit dem Einstellen erster Routine-Handlungsmuster veraendert sich dann auch ganz allmaehlich das Zeitempfinden. „Zeit“ findet nur noch in sich sprungartig bewegenden Momenten statt, Zeitblasen die in sich zusammenschrumpfen und verklumpen. Das macht dann alles recht kurzweilig, rückblickend sind 500 Meilen nur ein kurzer Sprung.

Die Zeitverklumpung nimmt aber leider auch den Raum, die unendliche Schoenheit des Horizonts und die ueberwaeltigende Einsamkeit inmitten eines voellig unbeeindruckten, gewaltigen Ozeans geniessen zu koennen. Wer es schafft, sich von diesen Momenten erreichen zu lassen, ist ein Meister. Er wird von Gottes langem Finger beruehrt.

 Was uns erstaunte und den kurzen Teil der Crew in besonderem Masse ehrt, ist die Tatsache, dass die beiden nicht EIN EINZIGES MAL maulten – obgleich wir z.T. stark rollten und dieser Abschnitt unserer Reise alles andere als erholsam war. Den Wellen zum Trotz, die sich achteraus zu maechtigen Halbschalen aufbauten, wurden farbenfrohe Bilder gemalt oder kleine Giaccometti-Kunstwerke geknetet. Muetze ab, kleine Seeleute!

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4 Responses to Atlantik 4 – Landfall Porto Santo, Madeira

  1. Der Admiral says:

    Bravo, Bravo, Bravo !!! vergessen hast du zu beschreiben, dass nicht nur das meer unglaublich BLAU ist, sondern dass brechende wellenkämme im sonnenlicht fast schon schmerzlich WEISS blenden. und noch ein tipp für die sinne: solltet ihr auf großer wassertiefe fern vom land mal flaute haben -> baden und mit tauchbrille nach unten schauen. uuuuuuunglaublich !

  2. Uli und Renate says:

    Tolle Fahrt! Glückwunsch dem Skipper und sin Fru und den beiden Leichtmatrosen. Wir freuen uns für Euch
    Uli und Renate

  3. Christine und Christian says:

    Wir freuen uns für euch, herzlichen Glückwunsch! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder – spätestens auf den Kanaren! Wir sind jetzt noch unterwegs zur Algarve… Bis bald! LG Christine und Christian

  4. co_ki_net says:

    oha – ganz schön blau bestimmt – oder?
    wir wollen aaaaauuuuuuch!!!!!

    Der Grib sacht, ab Montag könnte es klappen…

    Over.

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