Puerto de Naos (Arrecife)

Datum: 09.10.2011, 1900UTC Position: 28°57.78N 013°32.35W

Um 1100UTC gehen wir ankerauf. der Anker kommt Kurzstag, bricht aus und geht hoch, der Gang wird einen Ticken zu frueh eingelegt, die unklare Tripleine kommt in die Schraube. Ein kurzer Ruck, der Anker rumpelt an den Bug, Leine ab, Maschine aus. Die Steuerfru hat die Situation aber im Griff, rollt die Genua ein Stueck aus uns segelt sich aus dem Ankerfeld frei. Der Kpt. kanns gar nicht erwarten mit Brille, Schnorchel und Tauchermesser wie ein Kampftaucher die Leine aus der Schraube zu schneiden. Nach 10 min ist der MaxProp mit polierter Welle dann auch wieder universell ‚einsaetzbart‘. Auf nach Arrecife, auf nach „Rote Lanze“.

Um 1800UTC faellt der Anker im ueberfuellten Puerto de Arrecife auf Steingrund. Die Moorings sind alle belegt; die Boote, die hier liegen, scheinen hier schon lange rumzuduempeln und werden sich auch sehr wahrscheinlich nicht mehr oberhalb der Wasseroberflaeche von den Bojen wegbewegen.

Ein Kontrolltauchgang bestaetigt dann die Befuerchtung. Der „Sandpatch“ ist eine grosse Steinplatte und der Anker schiebt die Steinbrocken darauf nur in der Gegend herum. Safety first, Admiral Steen, nach einem 2. Versuch verholen wir uns in den tot-al heruntergekommenen Puerto de Naos. Auch ein Erlebnis. Wir legen uns zwischen die schwimmenden Schiffs-Kadaver, die leise und verlassen vor sich hin oxidieren und geniessen die marode Harold-and-Maude Stimmung. Das Anlanden mit dem Dinghy gestaltet sich entsprechend gefaehrlich. Allein der Anblick des stacheldrahtbewehrten, verrotteten Schlengelsteg wuerde verantwortungsbewussten Eltern die Pupillen weiten und die Puperze verengen; von einem Festmachen kann man fast abraten. Aber die Felsen drum herum sind glitschig und steil. Wir bemuehen uns also, kneifen alles zusammen und bevor wir uns versehen, sind die Kurzen auch schon auf dem schiefen Bretterverschlag gesprungen und hopsen ueber die Loecher im Steg, unter dem Stacheldraht hindurch, ueber Steine auf die Strasse.

 

Wir treffen Mike, einen Amerikaner aus Wisconsin, der unsere amerkanische Alden sofort gespottet hatte und uns seinen Schluessel zum Nachmachenlassen anbietet. Er hat eine IKEA-Tuete mit Kuscheltierchen unter dem Arm – was das vorlaeufige Tagesziel sofort definiert. Das trifft sich ganz gut, denn auf der Liste stehen 1 Sieb gegen Fettspritzer aus der Pfanne, 1 Kartoffelstampfer, 4 Kissen, 40 Kerzen, 1 Kiste fuer Spielzeug. Danach gehts in die Altstadt.

Am naechsten Morgen sind wir ganz erschrocken als uns Menschen aus den rostenden Schiffswracks freundlich herueberwinken. Ach, fuer lau laesst es sich doch hier vor den Palmen ganz gut aushalten.

Im Grunde schlaegt die Groesse unseres Bootes seit Verlassen des Festlandes finanziell kaum mehr zu Buche, da die Haefen umsonst, sehr guenstig sind oder sowieso vor Anker gegangen wird. Wir fuehlen uns so sauwohl in unserer verhaeltnismaessig grossen Butze.

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Je weiter wir in den Sueden kommen und je seltener wir den Luxus der Versorgung einer Marina geniessen koennen, desto mehr beginnen wir die autarke Auslegung unserer Systeme zu schaetzen. Ein Kompliment an den amerikanischen Voreigner, cheers mate!

1) Laufen wir mit Wind von achtern, erweist sich unser Wassergenerator „Aqua4Gen“ mit einer Leistung von 5-10 Amps als echtes ‚workhorse‘ – effizient und leise. Nur der einfache Regler summt bei hoher Leistung unter der Hundekoje, was etwas stoert (der technisch einfache Regler stoert dafuer das SSB und den Pactor deutlich weniger als unser High-End Produkt fuer den Windgenny; der laesst sich aber per Konpfdruck abschalten). Die anfaengliche Sorge, den Quirl bei hoher Fahrt oder in kniffligen Situationen schnell an Bord zu bekommen, haben sich als voellig unbegruendet erwiesen. Mit Arbeitshandschuhen und beherzten Ueberhand-Griffen ist das Geraet in wenigen Sekunden an Bord. Selbst bei Geschwindigkeiten ueber 7 kn, wenn der Prop anfaengt zu springen (was aber auch kein Problem bedeutet: die Leistung schwankt dann zwischen 10 und 0 Amps), ist das Einholen auch nur ein kurzer Kraftakt. Das Springen erleichtert sogar die Arbeit. Die vertoernte Leine wird vom Prop abgeschaekelt und wieder achteraus gelassen, die sich im Kielwasser sofort klariert. Dann schraube ich die kleinen Fluegel an den Delrinkoerper, was das Verhalten im Wasser verbessert. Ein Nachbessern der Form (wir haben die Fluegel abgerundet und den Koerper aerodynamischer geflext und geschliffen) lohnt sich.

Der Widerstand des Geraetes, ist unseres Erachtens uebrigens erstaunlich gering, da schon bei 5 kn Fahrt nur etwa 1,5m Leine (plus Stange) im Wasser sind, der Rest befindet sich ueber dem Wasser.

2) Der Windgenerator „Silentwind“ (Kohle Fluesterfluegel) liefert zufriedenstellend Energie ab 14kn bei Wind gegenan oder vor Anker, in peaks schon mal 20 Amps. Die Geraeuschbelaestigung ist zu vernachlaessigen. Er hat unsere Erwartungen in puncto Leistung nicht uebertreffen koennen.

3) Ein Solarmodul liegt noch zur Installation bereit im Quadrantenraum. Mit 30W und 2 Amps allerdings sehr klein.

4) Puristen moegen uns mit der Holzgaffel erschlagen, aber wir benutzen gerne unsere Maschine; zumal sich das mit dem Einlaufen und Auslaufen aus den Haefen fast schon zwangslaeufig ergibt. Wir erzielen mit dem Laufenlassen unserer 40HP Maschine (350l Diesel Fassungsvermoegen in zwei Tanks) folgende Bilanz:

Die 100Amp Lichtmaschine

– laedt unsere beiden Batteriebaenke, 200Ah und 220Ah (Nass) – der Inverter laedt bei Bedarf die Laptops, das Telefon und andere Verbraucher – der Wassermacher PUR 80II produziert mit neuen Filtern bei 8Amps 13 Liter bestes Trinkwasser pro Std. – die Maschine heizt das Dusch- und Brauchwasser auf (die Frischwassertanks umfassen luxurioese 640 Liter, wenn sie voll sind. Regenwasser kann ueber die beiden Wasserdrainagen unter Deck abgezapft werden und in den Brauchwassertank geleitet werden, was sehr komfortable ist.) – der mit Keilriemen ueber die Maschine betriebene Kompressor kuehlt einen grossen Eisschrank und einen Kuehlschrank mit insgesamt 3 „Holdingplates“, die die Kaelte 2-3 Tage halten

Der Dieselverbrauch belaeuft sich bei 6,5 kn Fahrt auf 2.5l Diesel in der Std.

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