Welten

Datum: 04.12.2011,
Position: 16°53N 025°00W Hafenvorfeld, Anchorage

Wir knattern mit dem Schlauchboot der Insel entgegen, auf der nicht nur grosse Boote gegen kleine Kaimauern prallen.

Hier prallen Welten aufeinander.

Wir bezahlen die 4 EUR „Dinghi-Anlegegebuehr“ (auch das kurze Anlanden, um jemanden an Land zu lassen kostet), verlassen den abgeriegelten Bereich und begeben uns in eine Welt, in der 4 EUR eine solide Finanzbasis darstellen.

Mittlerweile haben wir uns an die ganz eigenartige Vibration hier in Mindelo gewoehnt, haben verwaschene Sachen an und fuehlen wir uns damit deutlich wohler. Den Kindern wird staendig durchs blonde Haar gestrichen, Rastas begruessen Jonne (Arnes Feuerzeug-Pistole im Holster) mit Faust-an-Faust, was er sofort versteht und mitmacht. Line (im schwarz-roten Flamencokleid) wird von den froehlichen Frauen, die ihre unvollstaendigen, aber leuchtenden Zahnsortimente zeigen, herzlichst willkommen geheissen.

Dass hier alle jimknopfschwarz sind, scheint unseren Kurzen voellig selbstverstaendlich. Jedenfalls kamen noch kein Wort und keine Frage dazu.

Wir streichen durch die (gar nicht engen) Gassen und Strassen und suchen Spielzeuglaeden: Die Kinder fordern ihre Heuer ein – denn nach jeder langen Fahrt gibt es die Heuer den Lohn in Form eines kleinen Spielzeuges. Wuerden wir den Lohn am Verhalten der kleinen Seeleute messen, haetten sie dieses Mal fette Beute gemacht: Den laengsten Toern von den Kanaren auf die Kapverden haben Line und Jonne in einer Form absolviert, die uns mehr als Respekt abringt. Nicht ein einziges Mal wurde geklagt oder gejammert. Als dann Line gestern meinte „ach… Land… Segeln ist viel besser“, waren wir irritiert.

Jedenfalls finden sich zwei kleine 7EUR Spielzeuge (3 Meerjungfrauen im Set und eine Kettensaege – aus Plastik). Die Spielzeuge bleiben in den Taschen, bis wir in einem Cafe sind, da wir uns richtig schlecht vorkommen, an all den Kindern vorbeizugehen, die an den Scheiben der Spielzeuglaeden kleben und auf die tollen Dinge starren.

Wir verlassen das Restaurant-Café der echten Welt und tauchen ein in eine Enklave, die uns voellig unwirklich scheint: Das Beachrestaurant-Café ist ein grosser, weisser, bewachter Bereich mit Blick auf die Boote, die weniger als 20m enfernt liegen. Die Musik wird handgemacht, eine lange weisse Bar steht an einem grossen Pool, daneben offene weisse Konstruktionen, an denen weisse Schleier im Wind wehen. Line kriegt die Klamotten gar nicht schnell genug vom Leib, verhaeddert sich in den Traegern des Badeanzuges, zwaengt sich irgendwie mit Gewalt rein und springt in das hellblaue Wasser, taucht unter dem Absperrband durch und schwimmt erst mal eine Bahn. Jonne kann’s auch nicht abwarten und springt – aha! – dieses mal auch ohne Schwimmfluegel rein –  und schwimmt zwei Zuege! Voellig erschoepft, aber stolz kommt er zu uns auf die Designerliegen und ruht sich erst einmal von den Strapazen aus. (Jonne ist geknickt, dass er noch nicht so richtig schwimmen kann: „Nur weil Line als erstes rausgekommen ist, kann sie jetzt schon alles“)

An sich ist das Café richtig gut. Befremdlich bleibt dabei nur, dass es draussen so ganz anders aussieht – und dass das Bier hier nur einen EUR und zwanig Cent kostet. Geschmacklich wird Letzteres vom Kpt. aber als durchaus angenehm empfunden.

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One Response to Welten

  1. Renate says:

    Hallo Ihr Lieben,
    nun seid Ihr schon so weit gekommen, das ist ja ganz toll. Ich sitzte hier im mittlerweile kalten und nassen Norden und lese mit viel Interesse und ein wenig Neid Eure Artikel.
    Wie schön das alles so gut klappt!
    Ich wünsche Euch weiterhin gute Fahrt und einen fröhlichen Nikolaus – ist er in Mindelo eigentlich schwarz? –
    Eure Renate

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