Ria de Muros

Ria de Muros,
Datum: Sonntag 21.08.2011
Position: 42°46’56N 009°03‘41W

Wir ankern in einer schönen Bucht. Die urigen Steinbauten des besinnlichen Fischerdorfes stehen dabei bis zum Morgengrauen in scharfen Kontrast zur Bordwand durchdringenden Hard-Rock Beschallung.

Der kurze Tag verläuft ruhig, das Tageslicht zeigt sich wie immer erst recht spät gegen 1100 Uhr Ortszeit. Was der Anker morgen an die Oberfläche bringen wird, wird mit Spannung erwartet. Ein benachbarter Ankerlieger kann sich jedenfalls nur mit Mühe von einem Baumstamm oder einem alten Ankerstock befreien.

In aufopfernder Hilfsbereitschaft richtet uns der Kpt. der RÖDE ORM in Form eines mobilen Hotspots eine 1A Website ein. Wir versuchen mit aufgerissenen Augen zu verstehen, wie das Dashboard und der ganze Kram funktionieren. Der Kpt. schaltet sein Superverständnis ein, aber er ahnt, dass alles zerplatzen wird, sobald Stefan das Schiff verlässt. Also: keine Geräusche machen, gut zuuuuuuhören. Nach nur wenigen Std. sind wir öffentlich, klar zur für Jedermann zugänglichen Prostitution. Urängste werden freigesetzt, ein Hauch von Panik befällt den Kpt. der HITCH-HIKE-HEIDI.

Auf der RÖDE ORM werden mit Einbruch der Dunkelheit vitaminreiche Getränke gereicht. Das Bier und die Longdrinks, die irgendwann mal  Mojitos werden wollen, streng genommen aber aus Ermangelung der entsprechenden Ingredienzen dann doch Cuba Libres sind, entfalten eine kondensierende Wirkung, was die besonders hervorzuhebenden Ereignisse des Tages auf wenige Erinnerungen zusammenschrumpfen lässt.

Verbleibende Erkenntnis Nr. eins:
Der Spanier lispelt stark und spricht seine Landessprache sehr schnell, Englisch dafür so gut wie überhaupt nicht. Ausgestattet mit einer intuitiven Fähigkeit zu verstehen, werden von ihm Sprachbarrieren als solche aber nicht wahrgenommen.

Zwei Beispiele. Nachdem wir uns nach einem verlustreichen Strandbesuch (Jonne hat sein eigens vom Kpt. gefertigtes Metallschwert am Strand verloren und mehr oder weniger – sagen wir: sehr laut und sehr dauerhaft – seinem Schmerz Ausdruck verliehen) in eine der zahlreichen Restaurants verholt haben, nimmt ein Spanier Kontakt mit Schnuppi auf. Der folgende Informationsaustausch, der aus wenigen Metern Entfernung vom Kpt. angestrengt interpretiert wird, entpuppt sich als absoluter Glücksfall. Das Schwert des kleinen Piraten wurde gefunden! Alles kein Problem. Es würde sofort gebracht, er müsse es nur schnell holen. Der Retter verschwindet, Jonne hüpft heute-ist-mein-Glückstag!-schreiend auf dem Platz herum (ein wirklich süßes Verhaltensmuster, dass er bis ins Schulalter beibehalten wird. Anm. Red.). Nach gut einer halben Std. steht dann – leicht außer Atem – ein freudestrahlender Mann mit einem alten Kescher vor uns. „Nada, nada“, sagt er großzuegig.

Eine ganz traurige Szene, als wir ihm zu verstehen geben, dass der Kleine was ganz anderes verloren hatte. Der liebe Mann zieht mit dem Fanggerät und hängendem Kopf wieder ab. Uns bleibt gar keine Gelegenheit, ihn auf ein Bier einzuladen.

Verbleibende Erkenntnis Nr. zwei:
Das Bestellen von Bier erweist sich in fast allen Restaurants als machbar. Das Vermitteln anderer konkreter Wünsche, wie z.B. das Bestellen von Rippchen, gestaltet sich problematisch. Die Kinder haben sich so entschieden. Kinderwünsche haben bisweilen die Härte und Elstizitaet von Stahlbeton. Einmal angeruehrt und augehaertet praktisch nicht mehr veraenderbar. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn da nun was anderes angeliefert würde. Die Crews der Röde Orm und der Hitch-Hike-Heidi geben sich große Mühe, die entsprechende Menünummer dem Wunschgericht zuzuordnen. Sie wissen, dass Rippchen irgendwo auf der Karte angeboten werden; denn praktisch alle Restaurants haben hier deckungsgleiche Menükarten, nur: wer kein Spanisch kann muss versuchen zwischen den Zeilen zu lesen. Aber auch nach Anwendung des Ausschlussverfahrens und das geschickte Ins-Spiel-bringen von bekannten Sprachfragmenten lässt sich das Zielgericht kaum einkreisen. Als sie Bedinung kommt, zeigt der Kpt. auf seine Rippen und imitiert ein nach dem Mutterschaf mähendes Lamm auf einem Nordseedeich. Die Botschaft kam 100% an, weiß der Kpt. Die Bedienung quittiert die eindeutige Sprache mit einem Verständnis signalisierenden Nicken und bringt: Wurst.

Und mit der Wurst ein Desaster. Die Wuerste muss Der Kpt. ORM essen.

Auf der Röde Orm beschließen wir schließlich gemeinsam unser nächstes Ziel: Piedras Concheiro, 42°46‘87N 009°03’48W, ein kleiner Landfinger unweit von Aguino, 12-15 sm Entfernung.

Jemand knipst das Tageslicht aus und die Sterne an, die Bands sind abgezogen. Nur unser Außenborder zerknattert noch die Nachtluft, als wir zum Boot zurücktuckern. Kaum sind wir in den Kojen, fängt es an zu regnen. Wir genießen den einschläfernden Effekt des Geprassels an Deck, bis wir von einem fürchterlichen Gedengel des Windgenerators geweckt werden. Schnuppi aktiviert geistesgegenwärtig die Bremse an Ihrem Kopfende. Der Kpt. schält sich zappelnd und orientierungslos unter der Decke heraus, und untersucht im Dunkeln die Flügel, das Spaltmaß zwischen Montageplatte und Körper. Nach 10 min kehrt er nass und ohne Befund in seine Koje zurück.

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2 Responses to Ria de Muros

  1. co_ki_net says:

    Hey coole Page! Cooler erster Post… Wir gucken jetzt täglich! :-)

  2. Finn says:

    Schoener Post, ich komme jetzt regelmaessig

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