Atlantik 10 – Mittelwant gebrochen (D2)

Datum: 26.12.2011, Position: 14°58,22N 047°52,22W

Distance to Barbados: 693nm

Die neue Windrichtung kuendigt sich schon frueh ueber den grossen Swell aus ESE an. Wir halten den alten Kurs so lange wie moeglich, bauen soweit aber schon mal alles um, um fuer eine Halse auf Stb-Bug parat zu sein.

Der Squall kommt mit der Dunkelheit, mit der Front auch die Drehung. Wir gehen rechtzeitig rum, donnern erst einmal direkt auf unser Ziel los und ziehen uns ganz gut aus der Affaere. Zu schade, dass der Wind nach ein paar Stunden durch ist, die alte Welle steht allerdings noch. Wir gehen mit dem Blister hoch ran, um wenigstens noch ein wenig Fahrt im Schiff zu haben; leider kriegt der eins von der oberen Salingsnock verpasst und reisst ein. Ohne Blister rollen wir so stark, dass wir die Maschine starten und alle Segel bergen, um das Material zu schonen.

Mit zwischen 2,5 und 3,5kn eiern wir dann die restliche Nacht durch die Welle. Prima Nacht, zwei Segler Bb voraus, dann achteraus.

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Heute zum Sonnenaufgang geht der grosse Spinnaker hoch. Wir koennen mit ihm zwar tiefer segeln (obwohl wir auch den Blister ausbaumen), er laesst sich allerdings ohne Bergeschlauch nicht so bequem bergen. Der Blister wird genaeht, geklebt und fuer die Nacht fertig gemacht. Zur Nacht wollen wir die Segel wieder wechseln, Spi runter, rep. Blister wieder hoch.

Dann ein fuerchterliches Geraeusch, dass man selten zu hoeren bekommt
– „tock-zing„.

Gewickelt mit einer 3mm Dyneemaleine

Metall, das unter Zug bricht, hoert sich so an: Unsere D2 ist gebrochen und schlaegt wild und mit einem Mordskrach umher, der Mast macht im oberen Bereich einen Bauchtanz. Wir hatten das Bergemanoever fuer den Abend gerade durchgesprochen, – der Spinnaker ist in Rekordzeit in der Vorpiek. Der Kpt. muss leider ruck-zuck in den Mast aufentern, was bei DER See einer mittelschweren Pruegelei gleichkommt.

Wir haben Glueck: Nicht das Rod (also die „Draht“/Stange), sondern das untere Navtec-Schraubgewinde des Spanners ist gebrochen. Alle Teile sind gut gefettet und koennen leicht auseinander geschraubt  werden.

Der Spanner wird mit einer 3mm Dyneemaleine wieder mit dem Bolzen der Salingsnock 16-Fach „vernaeht“. Das haelt bis Barbados. Der Mast steht auch waehrend der Belastung wieder gerade.

Der Blister kann wieder gesetzt werden und wir machen angenehme 6-7kn.

 

Die „Jahresringe“ zeigen so richtig schoen die Entwicklung des Ermuedungsbruches. Das war ein alter Schaden!

In Zukunft werden bei jedem Mastcheck alle selbstverschweissende Tapewickel, egal wie schoen sie aussehen, an den Nocks aufgesschnitten, untersucht und neu geklebt. Seis auch bloss wegen des besseren Gefuehls. Der Bruch ist ein Ermuedungsbruch mit einer angefaerbten alten Rissbildung, die man bei einer genauen Inspektion vielleicht haette sehen koennen. Ob ich die Rissbildung in der gefetteten Windung aber tatsaechlich entdeckt haette, bezweifeln wir. Unsere Wanten und Terminals sind mit gut und gerne 20 Jahre einfach zu alt. Das Achterstag und das Vorstag konnten wir vor der Langfahrt erneuern, die Wanten konnten wir uns nicht leisten. Im Prinzip haette man das stehende Gut daher magnafluxen oder Röntgen lassen müssen.

TIME: 2011/12/26 22:32 LATITUDE: 14-58.16N LONGITUDE: 047-51.67W COURSE: 270T SPEED: 7.0 MARINE: YES WIND_SPEED: 20 WIND_DIR: ENE SWELL_DIR: ENE SWELL_HT: 3.0M CLOUDS: 0% BARO: 1018 TREND: 1

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2 Responses to Atlantik 10 – Mittelwant gebrochen (D2)

  1. StudRef Mattek says:

    Frohe Weihnachten, Ihr vier Verrückten ! Ich habe mir gerade die letzten 5-6 Einträge durchgelesen und bin sowas von begeistert, dass ich kaum was sagen kann. Auf jeden Fall merkt man, dass es Euch hervorragend geht und da freuen wir uns einfach mal so mit !!!
    @ Voller: Lass das Mastgeklettere … da krieg‘ ich ja Angst ! (Und außerdem wirst Du bald 35 … da ist man denn echt zu alt für so etwas!)
    @ Schnupps: Pass auf Volker auf ! Der ist am gefährlichsten … sicherlich gefährlicher als der Ragout-Hai !
    @ Jonne und Line: Grüße von Kalle und Enna

  2. co_ki_net says:

    Mano… seid vorsichtig….
    passt auf das der Spargel stehen bleibt.
    Aber Dynema hält ja 1a.
    Aber wie hat der Kpt. die Nadel denn durch die Gewindestange durchbekommen um das miteinander zu vernähen? Aber man hat ja viel Zeit auf sonem Törn… Ich bin gespannt auf die Bilder.
    GUTE FAHRT !!!
    Liebe Grüße,
    Röde Orm

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