Grenada – Heisser Ofen

Grenada – Unsere Maschine laeuft bei mehr als 1500 RPM heiss. Wir bauen unseren Reiseplan um, segeln nach St. George’s Harbour und laufen dort die unproblematische Anchorage der Martins Bay unter Segel an.

Das Problem liegt irgendwo hier zwischen: Der Impeller ist neu, der Seewasserfilter ist sauber, die Salzwasserkuehlung stimmt, Kuehlfluessigkeit stimmt, Oelfilter 2011 neu, Oelstand stimmt auch, die Temperaturanzeige der Maschine stimmt ab 1500RPM nicht mehr und fiept. Der Waermetauscher ist durchweg warm, aber nicht uebermaessig heiss. Die Schlaeuche der inneren Suesswasserkuehlung haben offenbar einen Unterdruck und bleiben nach Abkuehlung der Maschine eingedrueckt.

.

Die ersten Gedanken zielen auf den seit mind. 10 Jahren nicht mehr gewechselten Thermostaten ab, der den „zweiten Kreis“ der Kuehlung bei 82° oeffnen soll, das aber womoeglich nicht mehr tut.

Leider (oder gluecklicherweise) muss der grosse Kompressor des Kuehlschrankes, der auf der Maschine sitzt und mit zwei Keilriemen angetrieben wird, ausgebaut werden, um an den darunter liegenden Thermostaten zu gelangen. Der Ausbau geht relativ schnell, denn – OHOOO – die Aufnahmeplatte desselben ist gebrochen: Der Kompressor wird nur noch durch zwei Schrauben gehalten.

Die gebrochene Platte verschwindet in einer Tuete und wir suchen einen Schweisser, was sich als schwierig gestaltet. Francis, der ansaessige Experte, hat irre ON-OFF Arbeitszeiten. Jedes Mal, wenn wir vor  seiner Barracke aufschlagen, ist alles verschlossen und ein freundlicher Grenadiner kommt mit der Nachricht angehoppelt, dass der Boss gerade gegangen sei.

Unten die geschweisste Aufhaengung, oben die verstopfte Ueberlauf-Schraube

Nach dem 4. Kontaktversuch fahren wir mit dem Bus zu unserer alten Anchorage nach St. David’s Harbour: JONATHAN und MIRIAM von der SY TARA, die unheimlich netten Kanadier, die sich fuer einen Appel und ein Ei ein Stahlboot gekauft hatten, haben natuerlich ein Schweissgeraet. Das Wiedersehen ist, als haetten sich beste Freunde Jahre lang nicht gesehen. Kaum sind wir da, ist die Platte tipp-topp geschweisst. Wir bleiben natuerlich bis zum Abend und halten beiden von der Arbeit ab.

Wir wollen morgen nach Carriacou. Noch in der Nacht werden die beiden Thermostaten in einem Topf mit Wasser erhitzt und gecheckt. Ein entsprechendes Thermometer zur genauen Kontrolle haben wir nicht an Bord.
Beide Thermostaten oeffnen aber vor dem Kochen bei geschaetzten 90°C – das war’s also sehr wahrscheinlich nicht. Der Thermostat wird trotzdem gewechselt, neue Dichtungen rein und der Kompressor eingebaut.

Der zweite Gedanke: Die Schlaeuche hatten einen Unterdruck; die Kupferleitung zum Ausgleichstank koennte verlegt sein. Eine hohle Winkelschraube wird verdaechtigt – und tatsaechlich, das Ding ist wie zugeschweisst. Es wird zerlegt und mit der Hand aufbebohrt. Danach wird das Kuehlwasser gewechselt, alles wieder zusammengebaut und die Maschine gestartet.

Laeuft gut. Mal sehen.

______________

Nein, das wars auch nicht: Der Ofen laeuft nach wie vor schon bei mittleren Drehzahlen heiss.

Dritter Gedanke: Der Waermetauscher ist voll mit Semmelbroesel. Ok, dann wird der eben auch noch  zerschraubt.. Die vorlaeufige unbestaetigte Loesung des Problems gibt’s unter der Rubrik WERKBANK, Punkt 7

Nachtrag: Viele Motorstunden späeter (Juli 2014, Schweden) ist ein Hauptgrund fuer die Ueberhitzung gefunden – Die Einspritzpumpe hat offenbar jetzt schon einen leichten Schlag weg und soll uns vor den Azoren noch Schwierigkeiten bereiten.

 

This entry was posted in Allgemein. Bookmark the permalink.

2 Responses to Grenada – Heisser Ofen

  1. admiral says:

    sauber mr. wizard ! wenn die lehrerkarriere mal hakt, kannst du bei mir als bootsmann anfangen.
    aber weisst du, woran es eigentlich gelegen hat/liegt? das karibische kühlwasser ist zu waaahm…

  2. Kpt. says:

    Jah! Dat isses jewesen!
    Wir kuehlen jetzt mit Bier.

    Deine Kontermutter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.