Union Island – Boutique, boat boy

Der Kpt. un dem Kpt. sin Fru werden zusammen mit den Kindern von Hermann da German, einem Local, zu einer Party eingeladen. Deutsche Vornamen sind hier sehr beliebt. Hermann führt sie zu einem hellblauen Rumshop ueber dessen Tuer ein selbstgemaltes Schild haengt, „Licensed to sell intoxicating liquors“.

Elvis plaerrt aus der Holzbude, und aus irgendeinem Grund geht von den Leuten davor eine besonders liebenswuerdige Energie aus. Im Garten wird im Dunkeln zusammen gegrillt, getanzt und getorkelt.
Es ist ein Empfang wie unter alten Fischerfreunden. Man gibt sich die Hand, umarmt sich, klopft sich auf die Schultern und erinnert sich gegenseitig daran, dass man nicht verzweifeln, sondern immer schoen gluecklich sein soll.

Eine Flasche Rum, extra strong, wird von uns, wie das hier so ueblich ist, fuer die Allgemeinheit bereitgestellt – den Inhalt der Flasche meiden wir allerdings tunlichst: Mit 85% hat das Getraenk die Oktanzahl von Benzin und den ausbleichenden Effekt von Aceton, was so seine sichtlichen Spuren in den farblosen Augen der Fischer hinterlaesst.
Die Einnahme des Betaeubungsmittels geht so: Ein Schluck aus der Buddel und dann schnell ein Schluck aus einer Wasserflasche gleich hinterher. Der Zeitraum dazwischen wird moeglichst kurz gehalten, verlaengert sich aber zunehmend mit steigendem Pegelstand und faellt im Spaetstadium motorischen Ausfaellen dann ganz zum Opfer. Wenn hier die Zündung nicht richtig eingestellt ist, kann auch schon mal die Pleuelstange brechen…

Die Strippen zieht hier Betel, das wird schnell klar, eine dickliche Frau, die genau weiss, wie sie ihre traurigen Jungs zurechtschneiden muss. Die boat boys kuemmern sich ganz ruehrend um uns. Hermann kommt immer wieder mit Neuigkeiten, ein super Programm wird naemlich aufgefahren: „Next, you get drink. Free drink.”
Wir kriegen prompt zwei kalte Dosen Bier und geniessen den Abend, tanzen mit den Kindern und lernen sie alle kennen, die boat boys. „You feel good? Be happy. Everything is free.“ Wir kaufen noch eine Flasche Rum und stellen sie auf den Tisch.

„ Next, you get food – chicken food. Good traditional food. Everything is free”.

Das mit dem Food klappt nicht. Macht aber nichts, denn Hermann weiss zu troesten:
„Next, Bunga set up a system, a big system. Bunga set up a system“. Die Box, die angeschleppt wird, ist so groß wie ein amerikanischer Kuehlschrank. Sie klingt auch wie ein Kuehlschrank. Macht aber nichts. Es ist ein lustiger Abend. Ab und an leuchtet ein gelbes Augenpaar eines freundlichen locals vor uns auf: „You feel good? Don’t worry, be happy.“

Cook Stefan, die Lambis immer im LED Lichtkegel

Hermann kommt wieder:„Next, you get lambi. Good traditional food. Stefan cook Lambi for you. You get lambi, traditional food”. Man gewoehnt sich dran: das dritte-Person-‚s‘ fehlt aus irgendeinem Grund, es wird bis auf wenige Ausnahmen im Praesens gesprochen und der bedeutungstragende Inhalt wird mindestens zwei Mal wiederholt, damit ja keine Info verloren geht. Das aendert wenig daran, dass das Programm auf die Dosenbiere beschraenkt bleibt, was dem Erfolg der Party aber keinen Abbruch tut. Als die Kurzen muede werden und wir uns von unseren lieben Gastgebern verabschieden wollen, laesst uns Stefan nicht gehen, bevor wir seine Grillage probiert haben. Er stiehlt (unter den wachsamen Argusaugen von Betel) von seinem eigenen Grill zwei Menues, die uns ganz hervorragend schmecken. Endlich: Die Chicken. Zwei Haufen Lambi sind auch dabei. Man kommt kaum drum herum.

„Whose birthday party is it?“

Ein Mann glaenzt gegenueber, als sei er schwarz lackiert.

„Boutique…“ , erzaehlt er uns. „He is a niiiiice boat boy.“ Die Vokale in der Mitte des Satzes werden gedehnt, fast gesungen. „We aaaall are boat boys. Take caaare of da dourists.
Boutique never has problems. He isa nice guy. We aaaall like ‚im.
Oderwise, da wouldn’t have come sooo many people to his funeral celebration.”

Funeral? – Ach du liebe Schaise, wir sind auf einer Beerdigung!

“He live in my house. He goo out do Canouan wid’is opan boat two weeks ago.
He never come back. He goo out in rough weadder.
He never come back. He can’t swim.
He dies in da rough weadda.
Idiiis very dangerous.
Many boat boys die, when da engine break down” … “
Dat’s why we have dis party.
Idis Boutique’s funeral celebration. We call ida wake. If he hadn’t be a nice guy no one would have come. No one”

Und dann weint er ein wenig. Und wie er uns seine Geschichte erzaehlt, klingt es fast wie Prosa.
Wir sind beruehrt, verabschieden uns und fahren zum Boot.

Gut ueberlegen, Leute, bevor man einen boat boy der an den Rumpf klopft entnervt  abweist.

Bilder haben wir von der Trauerfeier nur eines gemacht.

 

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4 Responses to Union Island – Boutique, boat boy

  1. paul erik sw says:

    hallo Ihr 4, wir hoffen, es geht euch gut, habt ja schon länger nichts geschrieben. Paul Erik möchte Jonne gerne fragen, ob er schon einen Hai gefangen hat. Sehr gute Frage, finde ich. Beste Grüße aus dem schneeregennassenschmuddeligen Hamburg

  2. Kpt. says:

    Moin zusammen! Ne, nur geknetet. Große Barracudas koennen einem hier aber einen viel groesseren Schrecken einjagen…
    Liebe Grüße! Eure Hikers

  3. El Korrigierre says:

    Was ist denn da los bei Euch? Ich warte auf neue Geschichten um mein langweiliges Schreibtischleben für ein paar Momente vergessen zu können. Entweder geht es Euch einfach zu gut oder Ihr langweilt Euch … so ganz ohne uns. Liebe Grüße von Enna, Kalle, Joana und Mattek

    _________________

    Moin ihr Säcke! Wir sind alle fürchterlich krank geworden. Wir haben alle die Schpunkfäule. Es ist grausam. Aber es liegt auch ein bisschen an der mageren ungesicherten Netzabdeckung.
    Wir grüßen euch unheimlich. Ganz liebe Grüße,
    Eure Hikers

  4. Gisela und Mannfred aus Pirmasens says:

    Hallo Ihr Weltenbummler!
    Mit großem Interesse verfolgen wir Eure Weltumsegelung und freuen uns immer wieder über die wunderschönen Bilder, die Ihr ins Internet stellt. So können wir uns eine Reise in die Karibik ersparen. Ich hoffe, daß Siggi und Gerd sich zwichenzeitlich auch einen Skype-Zugang eingerichtet haben, damit der Kontakt zu Euch noch einfacher ist. Viele Grüße und weiterhin alles Gute von Gisela und Mannfred aus Pirmasens.

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