Canouan – Charlestown Bay

Datum: 01.03.2012 Position: 13°00,31N 061°14,54W

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Charlestown Bay, Canouan

Wir laufen die Charlestown Bay vor Canouan an und gehen noch bevor der Wind richtig auffrischt vor Anker. Waehrend Steffi ganz langsam achteraus geht, haemmert der Kpt. in 5m Tiefe mit einem grossen Stein den Anker in den harten Sandboden, was so zur Routine geworden ist. Die runden Fluken des Bruce-Ankers sind fuer den z.T. steinharten Grund einfach nicht gemacht. (Unser naechster Anker wird ein Buegelanker sein.) Ein zweiter Plattenanker wird mit dem Dingi ausgebracht und ebenfalls in den Boden gerammt. Dann wird’s windig.

Als Steffi im Morgengrauen aus dem Schiebeluk linst, sieht das Dingi in Form und Farbe veraendert aus. Es ist schwarz und der Aussenborder fehlt.

„Habt ihr euren Motor abgeschraubt?“, toent es von der NUBIA herueber, die unweit von uns liegt. Steffi untersucht das Boot optisch so gut das eben geht, wenn man den Wachzustand erst seit zwei Minuten erreicht hat.

„Ööja, denk schon“. An seiner Halterung am Heckkorb haengt der Motor aber nicht. Dann daemmerts.

„Öönein. Volker komm doch ma schnell hoch, …
das Dingi ist gekentert.“

Schnelle Luft hat unser Dingi achteraus ueber Nacht einen Salto schlagen lassen. Der Aussenborder lag sicherlich einige Stunden kopfueber unter Wasser und muss zerlegt werden. Das passiert dann auch umgehend noch vor dem Fruehstueck. Nach dem Fruehstueck wird das Dingi ohne Motor Gegenstand einer kleinen Versuchsanordnung. Wir wollen herauszufinden, wie das Schlauchboot in den kernigen Fallböen festgemacht werden kann, ohne Gefahr zu laufen, abzuheben und sich zu ueberschlagen. Unser Versuchsergebnis: Das Dingi wird ab jetzt mit dem Heck in Windrichtung festgemacht, dann passiert nichts.

 

Canouan wird in unserem Karibikfuehrer als das Armenhaus der kleinen Antillen beschrieben; und tatsaechlich erinnert uns die Insel ein wenig an Barbados. Alte Kuehlschraenke, das Gehaeuse einer Naehmaschine, alte Motorenbloecke oder rostende Stahlfaesser liegen vor den einfachen Holzbuden im Gebuesch. Dabei ueberblicken manche Haeuser an unglaublich schoenen Standorten auf der schmalen hohen Insel den Atlantik zu beiden Seiten hin (den Atlantik und die Karibische See) und sind dabei gerade so gross, dass sie eine Familie eben beherbergen koennen. Die gesamte noerdliche Haelfte der Insel ist saftig gruen – aber sie ist ein Hotelresort und fuer die Inselbewohner und auch fuer uns unzugaenglich.

Am Tag drauf gibt’s einen schoenen Ausflug zur Old Hegg Turtle Sanctuary von brother King.
Unbedingt mal bei der NUBIA auf der Website reinschauen! Katja und Mike rufen zu einer kleinen Spende fuer Orton King auf, der mit seiner Arbeit den Bestand der vom aussterben bedrohten Hawksbill Turtle zu stabilisieren versucht. Brother King ist ein alter Spearfisher, der das Riff von Kindes Beinen an kennt. Er konnte oder musste die rasante Abnahme der Schildkroetenpopulation quasi in einer lebenslangen Studie miterleben. Orton brother King buddelt einen Teil der gelegten Eier aus, laesst sie geschuetzt ausbrueten, pflegt und fuettert die Kleinen sie bis sie 5 Jahre alt sind, um sie dann (markiert mit zwei kleinen Loechern am hinteren Ende des Panzers) in die Freiheit zu entlassen. Spendet ma jeder ein oder hundert Euro oder so. Jeder EC-Dollar, der hier landet, ermoeglicht einer Schildkroete das Weiterleben (siehe Mikes Sammelaktion unter Tobago Cays, Canouan und Bequia

 

 

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Admirality Bay, Bequia

Ihre Durchlaucht – out of the picture

Der Anker faellt und wird unter Wasser wie immer mit einem Stein in den Grund gehauen. Im sonst gemuetlichen Dorf Port Elizabeth der Nachbarinsel herrscht ploetzlich reges Treiben, das merkt man sofort. Der Strand wird hektisch ein bisschen gereinigt, ein roter Teppich wird auf dem Dingianleger ausgerollt und der Anlandebereich via VHF abgesperrt.
Auf Kanal 17 wird durchgegeben, dass Durchlaucht wartet, aber erst anlanden darf, wenn der Ex-Aussenminister bereits an Land ist.

Die Spezialeinheit draengt uns ab

 

Hat etwa da einer seine Termine vertrottelt? 

Prinz Edward un sin Fru kommen naemlich auf’n Sprung vorbei. Wir haben extra Kaffee gemacht, aber Ihre Hoheit braust dann mit Ihrer Escorte an uns vorbei.  Als wir die Verwirrung des ‚Royal Couples‘ bemerken, starten Maarten und der Kpt. sofort das hochmotorisierte Dingi der LOLA und fliegen den hoheitlichen Booten hinterher, werden aber von der Marine Spezialeinheit abgedraengt. Der Prinz findet das mit Scherheit sehr witzig und muss hart arbeiten, um ein unkoenigliches Grinsen zu unterdruecken.

Durchlaucht und Gefolge

 

[…]

Nick und Kpt.

Das freiherzige Sprechen ueber VHF bzgl. des nicht ganz legalen Hantierens mit den Harpunen wird von den Herren allenfalls auf Deutsch als unbedenklich eingestuft. Ein Code wird eingefuehrt. Die Jungs der TIMPETEE, der BORNE und der HITCH-HIKE-HEIDI verabreden sich nunmehr ueber VHF nur noch zum Tennis spielen. „Shall I bring my spare tennis racket?“ flaxt Nick, der sowieso immer ein ganzes Arsenal (fuer jede Fischspezie eine Spezialrakete) mit sich im Dingi fuehrt und auch gelegentlich schon mal von einem Hai gebissen wird. An der Steilkueste im suedlichen Ende der Bucht hat Nick noch ein appointment mit einem ganz grossen Spieler, der ihn am Vortag zu einem Match herausgefordert hatte. Das Trio moechte auf keinen Fall zu spaet zu der Verabredung kommen und die drei Froschmaenner duesen die endlos lange Strecke hinueber zur schaeumenden Steilkueste.

Der grosse Jack ueberlebt ungeschlagen und unverletzt im Riff. Der Kpt. allerdings torpediert sich selbst mit sin Kopp beim Aufsteigen an die Schraube des Aussenborders und haut sich (wie gerne mal) eine weitere Kerbe in den Grind. Der Schnitt wird spaeter an Bord fachmaennisch zusammengeleimt und der Kopf des Kpt. wieder in Form gebracht. Und wo man gerade bei der blutigen Fleischarbeit ist, wird auch gleich die vom Kpt. erlegte Yellow Fin Makarel filetiert, eingelegt und abends als Sushi der NUBIA und TIMPETEE serviert. Es wird alles artig aufgegessen.

Die zerebralen Langzeitschaeden des Kpt. aufgrund extensiver Sauerstoffunterversorgung bleiben den abendlichen Gaesten von der NUBIA und TIMPETEE leider nicht verborgen. Darueber hinaus scheint auch die Kontaktwirkung der Motorschraube ihren Teil zum wiederholten Scheitern des Kpt. beizutragen, der einen echten sehr kurzen Witz erzaehlen will. Hier die korrekte Version des (meines Wissens) wahren Ereignisses zum Nachlesen.

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Der Witz ist ein Telefonat und geht so:

Ein Schueler rief wohl fruehmorgens in einem Gymnasium in Eckernfoerde an und meinte mit verstellter Stimme: „Der Thomas kann heute nicht zur Schule kommen. Er ist krank.“
Darauf fragte die Sekretaerin: „Ja, und wer spricht da bitte?“

„Mein Bruder“

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