Soufriere, St. Lucia

Soufriere, St. Lucia

Friend Bagga, St. Vincent

Wir lassen die „gefaehrliche“ Insel St. Vincent, vor der die meisten Autoren warnen, auf der wir uns jedoch sicher fuehlten und ausgesprochen liebenswuerdige boat boys kennenlernten, in den Regenwolken achteraus.

Fuer uns ist jede neue Insel eine Ueberraschung, auch wenn nur wenige Meilen dazwischen liegen. Die Vegetation ist eine andere, die Muecken sind andere, und die Menschen sind anders drauf.

Das zeigt sich dann meist schon waehrend der Ansteuerung der Bucht. Wir machen auch hier die Erfahrung, dass die Mentalitaet der Einheimischen tatsaechlich sehr inselspezifisch ist (und natuerlich immer in Wechselwirkung mit dem eigenen Verhalten steht). Manchmal, wie hier, gibt es aber wenig Gelegenheit, gegenseitige Sympathien aufzubauen. Nachdem uns ein high speed boat boy in Form und Farbe einer Holzzigarre fast penetriert und uns entsprechend hartnaeckig eine Mooring zuweisen will, weisen wir ihn freundlich mit den Worten: „Sorry, my friend, we want to try it ourselves“ ab. Wir ernten die ersten bitterboesen Voodoo Blicke. Wir ziehen die Brauen hoch:  Was die Sicherheitslage angeht werden wir vorsichtig sein.

Die Gastlandflagge von St. Lucia und Quebec gehen an Stb. hoch. Sieben Std. nach Verlassen der Cumberland Bay liegen wir an einer Mooring ganz in der Naehe einer Fledermaushoehle am Rachete Pt.

Fledermaeuse in der Bat Cave

Die Waende der Felsspalte leben und wabern wie braune Lava. Der Gestank ist fast unerträglich, wenn man nahe genu dran ist. Die ROBEYNE legt sich an eine freie Mooring vor uns. Wir hoffen, dass die letzte verbleibende Mooring dicht unter der Felswand bedrohlich genug wirkt, dass sich auch bloss keiner wagt, daran festzumachen und sie fuer die NUBIA frei bleibt. Wer hier im Dunkeln einlaeuft hat nur mit einem guten Suchscheinwerfer eine Chance, eine Mooring auszumachen.

Das Boat-Boy-Begruessungskommitee am Dingianleger (dieses Mal sind es tatsaechlich Kinder) macht dann auch keinen gastfreundschaftlicheren Auftakt als die Vorhut und verlangt 5 EC-Dollar Schutzgeld fuer unser Dingi. Der Junge weist uns unmissverstaendlich darauf hin, dass es hier sehr ueble Gestalten gaebe und wenn wir nicht bezahlen, koennte es sehr gut moeglich sein, dass der Motor oder das Benzin fehle, wenn wir zurueckkommen. Daraufhin meint der Kpt., dass die einzige Person, die er saehe und welche fuer so eine miese Tat in Frage kaeme, vor ihm stehe und ob er es denn vielleicht sei, der es auf den Motor abgesehen haette. Der Blick des Jungen vermittelt Eindeutiges: I tell you, dey will come  if  I don’t watch your dinghy, mon, I tell you!“ Wieder eine kleine Lektion in Voodoo-Zauberei fuer Fortgeschrittene.

Wir bezahlen trotzdem nicht, lassen dafuer unser Dingi mit einem unguten Gefuehl zurueck. Der Beamte der Einklarierungsbehoerde raet uns dann auch unzweideutig, das Dingi nachts unbedingt an Deck zu laschen und den Motor anzuschliessen, was wir sowieso immer machen.
Als wir zurueck kommen, verlangt der Junge die 5 EC-Dollar. Er habe schliesslich auf das Dingi aufgepasst. Wir sind genervt. Der Kpt. erlaubt sich einen gefaehrlichen Spass in einer high-pitched-local-voicelanguage, was fast zum Eklat fuehrt:  „You watch fo‘ dad dinghi?? You watch fo‘ dad dinghi? It‘s brokan, mon, the outbord engine is broken! – So I charge you a fiver! Give me 5 EC-Dollar and we will fo’get about it” – und haelt die Hand auf. Der Kurze kommt mit dem Rollentausch nicht zurecht und wird aggressiv.

„Just kiddin‘ – never try to get payed fo‘ what you were not supposed to do, my friend – and fo‘ what you haven’t done“, schiebt der Kpt. schnell hinterher. Zu spaet. Der Kurze tritt nach unserem Dingi und beschimpft uns auf’s Uebelste. Die Mutter rollt ueber den Steg heran, an ihrer Seite ein kampfbereites schwarz-glaenzendes Familienmitglied. Die Ueberzahlsituation sieht gar nicht gut aus. Der Kpt. fragt: „You go to church, uh? You go to church?“ So eine Frage darf hier nicht unbeantwortet bleiben. Ein kurzer erster Kontakt entsteht. Goot-sei-Dank nur akustisch. (-Yes we do, ist die Antwort). Es loest sich dann alles wie Kakao in Milch mit einem Laecheln auf.

Unsere Faeuste beruehren sich. Gott-sei-Dank landesueblich und freundschaftlich; dann die Faust theatralisch auf’s Herz. Ya mon. Alles wieder fast gut. Puh-hae.
Wir gehen mit unseren liebgewonnenen Hollaendern schnell acht kalte Biere im Skipper’s trinken und wissen, dass wir hier bestenfalls zwei Naechte bleiben werden. Dann kommt auch die NUBIA und macht an der ihr vorbestimmten Mooring fest.

Der naechste Tag sieht schon wieder viel besser aus, auch wenn die Sonne nicht scheint und der grandiose Petit Piton seine Spitze in eine dicke Dunstschicht steckt. Wir wollen in die heissen Quellen. Kaum betreten wir den Anleger, gehen die Spielchen mit den Kindern von vorne los. Die bewaehrten Zauberformeln werden gesprochen (good morning my friend, what’s your name, how are you doing today, how old are you, my friend? No I’m sorry, I will watch fo’ my Dinghy myself) helfen aber aehnlich wenig wie Voodoo Blicke.

Ein Taxifahrer draengt sich uns auf: Er will 40 US Dollar fuer eine Fahrt zu den heissen Quellen, die praktisch in Sichtweite entfernt liegen. Als Mike meint, dass 40US$ fuer 5 min Fahrt ja reichlich viel sei, und wir uns da lieber einen anderen Fahrer ausschauen wuerden, wird er inselspezifisch boese: Das seien von der Regierung festgelegte Preise und wenn er nun so komme, wuerde er uns UBERHAUPT nichts verkaufen! Wir sind alle etwas konsterniert und nehmen uns einen Taxifahrer der angemessene 30 EC-Dollar verlangt. Nunja, das hoert sich nun nicht so nett an, aber hier, auf dieser Insel fuehlen wir uns das erste Mal unwillkommen.

In den Quellen werden wir endlich wieder sauber. Das warme, stark kupferhaltige Sulphurwasser verhindert dann auch gleich jeden weiteren Bewuchs auf der Kopfhaut auf unbestimmte Zeit, was der Kpt. als positiven side-effect gerne in Kauf nimmt.

 

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2 Responses to Soufriere, St. Lucia

  1. admiral says:

    jawoll, dat läuft. alles sauber? mann, das sind ja hafenmeister da bei euch…. is ja schlimmer als in laboe!
    hier setzt bald der frühling ein. unser boot will auch ins wasser. alles fertig und 20.000 euro wertsteigerung in 12 monaten. es kommt halt auf die pflege an und der admiral hat hier mit beispiellosem einsatz aus dem kümo mit angebauter heckrutsche ein eins a aggregat hergestellt. ich überlege noch den einbau eines megaphons auf der mastspitze, das vhf funken kommt mir immer so anonym vor.
    Kommt ihr eigentlich dieses jahr noch wieder, oder gibts verlängerung? aachtunk! Tauchfahrt oben hinten zehn.

    _________________________-

    Meine liebe Admiralitaet! Zauber-sauber sag ich, die Sonne brennt hier alles weg. Schoen dass der alte Gummischlauch wieder einsaetzbart ist! Selbstverstaendlos kommen wir dieses Jahr wieder. An der Richtung muessen wir noch arbeiten, aber wir befinden uns ja sozusagen schon seit der Biscaya auf einem haerrrrrlichen Rueckweg. Seid ganz lieb gedrueckt,
    Eure Line * Jonne * Schnuppi * und * Volker

  2. Opa Hans says:

    Ihr lieben Seeleute, Ich soll Euch schön grüßen von Oma Ingrid. Mast u. Schotbruch, von Opa Hans

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