Tomorrow in Marin III

Marin, Martinique

Tomorrow ist ein Reizwort und kein Versprechen. Am Treffendsten laesst es sich hier in der Karibik mit dem voellig unbestimmenden Zeitwort irgendwann  uebersetzen. Manchmal auch mit nie, je nach lokaler Sprachfaerbung. Verbindlichkeiten fallen hier im franzoesischen Aussenposten der EU jedenfalls der totalen Entspannung zum Opfer, aber dafuer sind wir ja schliesslich hier…

Wir hoeren jeden Tag “tomorrow we will start”. Wir arbeiten also immer schnell, denn morgen ist bald. Der Mast ist am Abend gestrippt, die Schraubterminals sind nach Erhitzung abgeschraubt, die Rodwanten liegen – wie abgemacht – bereit zur Verarbeitung auf der Mole. Leider ist die erste Ersatzteillieferung, die so ruckartig hier ankam, unvollstaendig. Die „Noses“, das sind kleine Huelsen aus Bronze, die in die Augen eingeschraubt werden und die Zuglasten der Wanten aufnehmen, wurden vergessen – obwohl eine Zeichnung mit allen benoetigten Teilen (rot markiert) beim Chef-Rigger persoenlich abgegeben wurde. Ohne Noses kein Weiterarbeiten. Philippe von Caraibe Créement sieht das anders und startet einen vergeblichen Versuch den Bestellfehler herunterzuspielen: „Why do you want new noses? We can take the old ones. Pas de probleme“.
Der Kpt. hat das schon fast geahnt und zeigt dem Chef-Rigger eine der alten noses, die zwei Cracks hat.
Die Teile werden also nachbestellt.

„Okay, pas de probleme, the parts will arrive tomorrow“. Tomorrow. Alles klar, der Kpt. versteht.

Die Steuerfru un sin Kpt. ueben sich in Geduld und verlassen den Hafen Port de Plaisance halbverrichteter Dinge mit einem provisorisch verstagtem Rigg und gehen fuer unbestimmte Zeit wieder in der Cul-de-Sac vor Anker.

Und warten.

Puenktlich tomorrow treffen die Teile dann endlich nach drei weiteren Tagen per Fedex aus Frankreich ein.
Der Rigger hat schon vier Koepfe mit der Hydraulikpresse gestaucht, als der Kpt. dazustoesst. Die Laengen der V1 und V2 werden um minus bzw. plus 30 mm korrigiert und die Spreader-bends um 20 mm verschoben, um die extrem hochgeklapten Salingswinkel ein wenig zu normalisieren. (Mike, du wirst uns nicht wiedererkennen, vielleicht ankern wir ja schon neben euch… geh ma gucken).
Nach 2 ½  Std ist die Arbeit getan. Veranschlagt waren dafuer urspruenglich 32 (!!) Arbeitsstunden, im zweiten Anlauf 16 (!) Std., die  immer noch in einem gewissen Missverhaeltnis zur geleisteten Arbeit stehen. Als der Kpt. die Rods dann selbst polieren darf, weil nach der Mittagspause einfach keiner mehr kommt, wird ein drittes Mal an der Preisschraube gedreht. Am Ende sind es 10 Std., fair enough.

Der krumme Gewindebolzen des unteren Turnbuckles. Der Stud der D2 sah auf dem Atlantik aehnlich aus, kurz bevor er brach.

Wow! die Rods sind fertig. Und es ist nicht mal tomorrow. Morgen wird in den Mast aufgeentert und alles wieder festgefrickelt – und dann ab nach Dominica.

Am Vorabend klopfen wir bei unserem Ankernachbar, eine schoene Aluslup aus Deutschland an die Bordwand und laden den Eigner auf Bier zu uns ein. Nette Menschen kennenlernen geht hier schnell. Christoph bringt fuer die Kurzen Disneyfilme als Gastgeschenk mit – fuer die lange Strecke ueber den Atlantik.  Er selbst will solo durch den Panamakanal und dann weiter nach bewaehrtem Finanzplan, wie ihn hier praktisch alle Langfahrtsegler ausgearbeitet haben: Kurs halten bis das Geld ausgeht. Wir haben einen schoenen Abend und geniessen die warme Abendbrise.

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Sonntag, 1. April, 2012

Hurra! Alles klaaa. Kein Aprilscherz. Wir laufen morgen frueh (nicht tomorrow) gegen 0300 Uhr aus und gehen nach Dominica, auch wenn die NUBIA da unschoene Szenen erleben musste. Dichtungen fuer unseren Wassermacher liegen dort schon seit einigen Tagen bereit. Wir haben heute noch tolle Sachen hingekriegt: 400 Liter Wasser fuer 3 EUR gefasst, den Block des aussenliegenden Spifalls** ausgetauscht, den Oeldruckgeber erneuert und damit unser Oeldruckproblem korrigiert (20 Einheiten pro square inch unter dem Minimum) und unseren Windgeber mit einem GFK-Rohr verlaengert. Der war naemlich viel zu kurz und steckte bei achterlichen Winden in der totalen Abdeckung der Topplaterne.

**(ein aussenliegendes Spifall finden wir fuer unsere Zwecke hier uebrigens super. Der Kpt. entert daran ruck-zuck in den Mast auf, waehrend die holde Steuerfru ganz entspannt die Winsch abzieht)

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6 Responses to Tomorrow in Marin III

  1. Röde Orm says:

    Ahoi ihr Heidis!

    Tomorrow ist n super Wort. Hier in Spanien heißt es ja, wie ihr bestimmt noch wisst, “Mañana” und bedeutet das ca. Gleiche – oder einfach nur “Its Spain, darling”. ;-)

    LG von uns allen!

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    Mann! Die Orms!! So eine Ueberraschung – Tomorrow war gestern. Heute liegen wir endlich vor Dominica. Die Frau Kpt. geht gleich einklarieren, aber wir haben gestern schon mal Hasenbraten gehabt. Das scheint heir ja eine phantastische Insel zu sein. Bald mehr. Wir hoffen, dass es euch auch gut geht. Haltet euch gerade, aber ihr habt ja stehhoehe. Liebe Gruesse, Eure Hikers

  2. Opa Hans says:

    Ihr lieben Seeleute, ich habe grade die Bilder vom 05.04.12. angeschaut.
    Das ist ja sehr intererant.
    Ich wünsche Euch schöne Osterfeiertage. Gibt es bei Euch auch Ostereier ?
    Wenn ja, ein fröhliches Ostereiersuchen.
    Vom 13. bis 19. 04. 12 kommt die ganze Familie aus Gottlieben zu mir.
    Jetzt sind sie in Urach. Viele Ostergrüße von Opa Hans

  3. Opa Hans says:

    Schöne Ostergrüsse aus dem verschneiten Bad Reichenhall.
    Wir machen gerade eine Schneewanderung auf Burg Grutenstein in Bad Reichenhall am Berg.
    Moin Moin
    Opa Hans, Gerda, Roland und Eva

  4. Opa Hans says:

    hola ihr Lieben
    wir sind heute bei Opa Hans angekommen und freuen uns auf ein paar schöne gemeinsame Tage. Lasse und Mads wünschen sich sehr Jonne und Line bald wiederzusehen. Alles Liebe von uns 5.

  5. Opa Hans says:

    Ihr lieben Seeleute, ich habe wieder Bilder von Euch angeschaut. Jonne wird wohl ein richtiger Tarzan. Bei uns ist wunderbares Wetter in Bayern. Bis zu 30 Grad C ist angesagt. Großer Kindergeburtstag ist nachträglich morgen in Gottlieben angesagt. Oma Ingrid ist gestern schon angereist.
    Viele Grüße mit Mast- u. Schotbruch, sendet Euch Opa Hans

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    Haha der kleine entwickelt eine Knöf, davon kann ich nur träumen! Ganz liebe Grüße an alle!
    .

  6. Opa Hans says:

    Ihr lieben Seeleute alle vier, KLAR DECK und alles KLAR SCHIFF !
    Ich wünsche Euch alles Gute bei Eurer großen Fahrt. Wie sich doch alles wiederholt.Uroma Alwine, (sie wäre am 24. April 110 Jahre alt geworden), hat im Winter,wo die Hühner so wenig Eier gelegt haben, die Eier mit Waselene in einem großen Topf gelegt. Ich mußte jede Woche die Eier umkehren. Es gab ja keinen Kühlschank.Viele Grüße, und -SHIFF – AHOI – Oba Hans

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