Salisbury, Dominica

Salisbury, Dominica

Beatrice von der Tauchbasis Caraibe Dive ruft zu uns rueber. Die Dichtungen sind da. Und der Besitzer des Tamarind Tree Hotels und seines Zeichens TO Stuetzpunktleiter hat ein neues Fass Bier angestochen. Grund genug, schnell das Dingi zu Wasser zu lassen und die Klippe, auf der das Hotel steht, ‘rauf zu kraxeln.

Da oben steht zurzeit das einzige angestochene Bierfass auf dieser Insel, nicht einmal das edle Fort Young Hotel kann damit aufwarten. (Kubuli, Dominica’s Pride – vom Fass – wird von einem Braumeister gebraut, der aus Deutschland kommt und etwas von seinem Fach versteht: Das Bier schmeckt wirklich ausgesprochen gut. Womoeglich spielt bei diesem Praedikatsurteil aber auch ein wenig die Tatsache mit rein, dass
1. dies fuer uns die ersten richtigen Biere seit langer Zeit sind,
2. wir am Rande einer recht hohen spektakulaeren Klippe an einer Bar sitzen und
3. unser Boot sehr klein unter uns in einer roten Abendsonne schaukelt.)

Der Kpt. un sin Fru geniessen die Getraenke, Line und Jonne geniessen Eis.

„Und … schmeckt’s?“, fragt Stefan.
„Nein“ sagt Jonne zwischen zwei Happen und schuettelt den Kopf. Knappe, aber klare Antwort.
Besser man fragt nicht, wenn man die schlimmste zu erwartende Antwort nicht hoeren mag. Aber der Junge kratzt vorsichtshalber trotzdem in sicherer Entfernung den Becher aus.

Der Kpt. gibt dem TO Stuetzpunktleiter vorsichtig zu verstehen, dass er bzgl. der Mooringleine kein gutes Gefuehl habe. Er tauche das Grundgeschirr taeglich ab und er glaube, dass sich der Zustand desselben rapide verschlechtere. Die (sehr dicke) Leine schamfile naemlich ueber den Beton-Dreifuss als Grundgewicht und werde wohl nicht mehr allzu lange halten. „Ich dachte nur, wegen deines Kumpels, der hier bald mit dem Katamaran festmachen will…“

Ueber die Biere wird befunden, dass die Mooringleine haelt, was sie ja auch tut, denn schliesslich sehen die Drei von der Bar auf der Klippe aus das Boot, wie es lustig umher schaukelt.

Der Kpt. un sin Fru bedanken und verabschieden sich bei bzw. vom TO Stutzpunktleiter Stefan, und natuerlich auch bei Beatrice und Harald von der Tauchbasis mit zwei Flaschen Wein, motoren zurueck zu ihrem Boot, gleichermassen erfreut wie enttaeuscht, das mickrige Plastik-Beutelchen mit diversen O-Ringen fuer insgesamt 180 USD endlich an Bord zu haben. Aber was soll’s, in Deutschland waeren die Gummis im Warenwert von 2 EUR sicherlich noch teurer gekommen (obgleich Katadyn eine schweizer Firma ist. Oder vielleicht gerade deshalb.)

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Es lohnt sich nicht, zu detaillierte Reiseplaene auszuarbeiten. Es kommt ja meist doch ein wenig anders. Eine ordentliche Planung heisst bei uns, dass wir ein Ziel und eine Ablegezeit haben, die aber so gut es irgend geht auch eingehalten werden will – ist sie erst einmal festgesetzt.

Das Ziel sind die Iles de Saintes suedlich von Guadeloupe. Das ist schon mal was. Aber nach zwei Wochen Zeit zum Ueberlegen vielleicht keine allzu grosse Leistung, zumal es die naechstgelegenen Inseln sind.
Bleibt noch die ETD.
Die Windrichtung, die Windstaerke und die zu segelnde Distanz gehen in eine einfache Rechnung ein (das macht mittlerweile dem Kpt sin Fru) und die ermittelte Reisedauer wird von der gewuenschten ETA zurueck gerechnet. Ankommen wollen die Vier in Terre-de-Haut nicht nach1600h. In diesem Falle steht am Ende der Rechnung (oder am Anfang des Tages) eine 9, was von allen Crewmitgliedern als eine ertraegliche Tageszeit empfunden wird.

Die Vier machen ihr Boot also frueh los.
Genau genommen sogar viel frueher als geplant – und nimmt man es ganz genau, brechen sie gar nicht auf, sondern die Mooring ab.

Harald, der nette deutsche Tauchbasisleiter und Besitzer der Moorings kommt mit seinem Motorboot rausgefahren, weckt die schlafende Crew und wuenscht ihnen eine gute Fahrt, haette aber trotzdem gerne seine Mooring wieder, die noch am Bug haengt und bereits ein paar hundert Meter mit auf’s Meer genommen wurde.
Die Insel, an der die Mooringleine festgemacht war, hat sich offenbar losgerissen.

Das war ja mal ein bemerkenswert geschmeidiges Ablegen!
Wie gut, dass der Wind ablandig ist, da bleibt ja sogar noch Zeit, die Augen aufzukriegen.
Dem Kpt. sin Fru startet derweil die Maschine, das Steuerrad wird angeschraubt und die Bojenleine von der Klampe abgetueddelt.

Der Kpt. un sin Fru lachen ein bisschen, auch Harald. Mehr aus Erleichterung, trotz der Nachlaessigkeit, den Ankeralarm nicht scharf gemacht zu haben, nicht an Land gespuelt worden zu sein, als wegen der etwas seltsamen Vorstellung, die Insel, vor der man ankerte, am naechsten Morgen nicht mehr vorzufinden.

Wir winken ebenso kraeftig wie wir uns bedanken und setzen die Segel. Etwas frueher als geplant, aber schoen ist er schon, der Sonnenaufgang.

Unter Maschine schleichen wir an der Kueste entlang bis auf Hoehe des Cape Capucin wie erwartet der Wind auf NE dreht und auf 25kn auffrischt. Fuer unsere Kutter-Besegelung ideal. Die Inseln koennen wir mit leicht geschrickten Schoten anliegen, aber es ist trotzdem ziemlich rau. Wir zwaengen uns durch den kantigen Felsdurchgang der Passe de Dames und haben nach 5½ Std. die insgesamt knapp 30 Meilen endlich hinter uns. In der Anse de Bourg gehen wir Wohl oder Übel an eine Mooring, die wir misstrauisch beaeugen. Aber mit Ankern ist auch hier leider nichts. Diesmal bleibt das GPS und der Anker-Alarm an.

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