Low Bay, Barbuda

Datum: 03.05.2012 Position: 17°38,97N 061°51,32W

Low Bay, Barbuda

Wir bunkern Wasser und Diesel in Jolly Harbour, bevor wir mit geschrickten Schoten mit um und bei 8kn nach Barbuda reisen, unsere letzte Insel in der Karibik.

Was wir hier dann vorfinden muessen, ist ueberhaupt nicht gut fuer die Augen und absolut unreal. Nicht mal die Farben sind echt: Wir liegen vor einem schier endlosen Strandzipfel, der westliche Rand der grossen Godrington-Lagune. Der farblos-weisse Sandstrand zieht sich von links nach rechts wie ein Riss durchs Bild, und das Meer um uns ist derart schmerzhaft hellblau, dass man davon Kopfweh bekommen kann. Es wird Zeit, dass wir nach Hause kommen.

Drei kleine Black-Tip Riff Haie suchen an unserer Leiter nach Beute. Kurz darauf pfeift Erik von der FRIJHEID neben uns und deutet auf die Delphine, die ganz gemuetlich ihre Bahnen um uns herum ziehen; Wir hatten Ella und Erik schon vor Mindelo auf den Kapverden in der Anchorage immer nett zugewunken, wenn wir morgens an ihnen mit dem Dingi vorbeigetuckert sind, aber das erste laengst ueberfaellige mehr oder weniger kalte Bier (bzw. den ersten O-Saft) gabs dann erst hier am oberen Ende des Antillenbogens.

Unsere Reise ist noch lange lange nicht zu Ende und wir werden sicherlich noch einige schoene Eindruecke mit nach Hause nehmen koennen. Aber eines koennen wir schon jetzt festhalten: Mit die wertvollsten Erlebnisse sind die sehr lieben Menschen, die wir in den letzten elf Monaten kennengelernt haben.

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Antigua – Shipshape

Jolly Harbour, Antigua

Wir machen klar Deck und bereiten uns auf eine lange Zeit auf den Atlantik vor. Wir tendieren dazu, direkt (oder einen grossen Bogen) zu den Azoren zu segeln, falls die Grosswetterlage das zulaesst. Die direkte Route ist mit knapp 2100 Meilen theoretisch 500 Meilen kuerzer, als zunaechst Kurs nach Norden abzusetzen und einen Umweg ueber die Bermudas zu machen (knapp 1000sm Entfernung). Ein Problem kann der Kalmenguertel sein, in dem schwache Winde vorherrschen, bis wir in hoeheren Breiten wieder mit Westwinden rechnen koennen.
Soweit die lose Strategie.

Wir bunkern also viel Wasser und extra viel Diesel, d.h. wir fuellen unsere Ersatzkannister auf und laschen sie an die Reling. Das Rigg wird noch einmal gecheckt, das Unterwasserschiff geschrubbt, das frische Gemuese gewaschen und die Eier werden mit Vaseline eingeschmiert, um sie etwas haltbarer zu machen (alle zwei Tage drehen… soll helfen, mal schaun, was es bringt. Mit den Huehnereiern im Kuehlschrank machen wir dasselbe.)
Unmengen Proviant wird von Verpackungen befreit und verschwindet in den Schapps und unter den Bodenbretter. Und dieses Mal wurde so viel eingekauft, dass unser Jonne garantiert nicht in den letzten Tagen auf dem Atlantik (zu seiner grossen Freude!) Erbsen oder Mais aus der Dose fruehstuecken muss…

Ein Kardel unseres Kutterstages steht leicht aus dem Drahtverbund hervor, ist aber noch nicht aus dem Terminal gebrochen. Es ist nur ein Hauch aufgeworfen, aber es ist doch immer das Ernstnehmen der Ahnung, was Probleme verhindert. Also auch auswechseln. Leider haben wir das schadhafte Stag erst hier in Antigua entdeckt und nicht in Marin. Womoeglich haben sich die Vorboten eines (moeglicherweise) bevorstehenden Bruches auch erst vor kurzem entwickelt, wer weiss. Zu dumm, denn in Marin waere ein Auswechseln gar kein Problem gewesen. Hier in Jolly Harbour gibt es keinen Rigger und der einzige Ausruester vor Ort, Budget Marin, hat keinen Draht im Sortiment.

Wir verabreden uns mit Ashley von A & A Rigging (aus Falmouth im Sueden der Insel), der hier gerade zu tun hat.. Netter Typ, vernuenftige Preise und wenn alles so klappt, wie er verspricht (no tomorrows! No surprises, please!), koennen wir auf alle Faelle noch vor Donnerstag nach Barbuda starten. Dort koennte es dann mit einem Internet access allerdings schwierig werden…

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Das Stag ist da und angeschlagen. Alles tipp-topp!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Jolly Harbour, Antigua

Jolly Harbour, Antigua

Wow.

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Deshaies, Guadeloup

Datum: 24.04.2012 Position: 16°18,47N 061°47,85W

Wir ankern vor Deshaies, eine kleine schoene Bucht im Norden des „linken Schmetterlingfluegels“ von Guadeloup.

Endlich treffen wir Mel und Nick wieder; Die BORNE  hatten wir schon lange im Glas, noch bevor wir die schoene Bucht erreicht hatten.

„Mel! Nick! Nice to see you guys“, freut sich dem Kpt sin Fru und der Kpt.
„Nice to be seen!“, freut sich Nick, der Grund zur Freude hat, gesehen zu werden, denn er hat ein Loch im Bauch und ist nur mit knapper Not dem Tot entkommen, der ihn schon am Kanthaken hatte. Sein Blinddarm ist ploetzlich foermlich explodiert und er konnte in einer Notoperation gerade noch repariert werden. Der Alptraum aller Langfahrtsegler. Die TIMPETEE (Der Blinddarm) und die NUBIA kuemmerten sich derweil ganz ruehrend um die beiden und das Boot, segelten die kaptainlose BORNE von den Iles de Saintes nach Basse Terre und von Basse Terre nach Deshaies, wo Nick (mit der Schnellfaehre hingebracht) operiert wurde.
Nick ist noch etwas blass um die Nase, wie immer aber bester Laune. Wir werden morgen zusammen mal Brause trinken gehen…

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Nachdem uns ein Fischer bzgl. der Ciguatera-Gefahr eine Bedenkenlosigkeit ausspricht, schneiden wir 5 grosse Scheiben aus der 83cm langen King’s Makerel, die wir gefangen haben und braten die Steaks auf unserem Kocher im Cockpit scharf an.

A fiest fo‘ da tongue.

 

 

 

 

 

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Terre-de-Haute, Isle de Saintes

Terre-de-Haute, Isle de Saintes

Der Kpt. un sin Fru waren sich eigentlich sicher, dass eine Kameraausruestung nicht wesentlich schlechter sein koennte, als die ihrige Pocketausfuehrung. Aber die beiden sollten sich da getaeuscht haben. Es geht noch schlechter. Unser Kumpel Mike von der NUBIA mit seiner Superkamera meinte zwar mal, dass kaeme nun wirklich nicht auf die Kamera an, ob die Motive gut rauskaemen. Es waeren ja auch nicht die Toepfe, die einen Meisterkoch ausmachten, raeumte allerdings ein, dass eine gewisse Grundausstattung von Vorteil waere, als er den Miniapparat in Augenschein nahm.

Von jetzt an werden die Zutaten blind in den Topf gekippt. Das Display ist erloschen, einen Sucher zum Durchgucken gibt es an dem Geraet nicht. Aber die Motive werden dadurch ja nicht weniger schoen. Und wenn sie ordentlich draufhalten, denken sich die beiden, wird bei einer Unzahl an Bildern sicherlich ein schoenes Bild bei rumkommen.

Zur grossen Freude von Line und Jonne werden zwei Vespa Roller gechartert und die schnuckelige Hauptinsel erkundet. Und tatsaechlich: Es gibt hier schoene Buchten mit weissen Sandstraenden.

 

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Salisbury, Dominica

Salisbury, Dominica

Beatrice von der Tauchbasis Caraibe Dive ruft zu uns rueber. Die Dichtungen sind da. Und der Besitzer des Tamarind Tree Hotels und seines Zeichens TO Stuetzpunktleiter hat ein neues Fass Bier angestochen. Grund genug, schnell das Dingi zu Wasser zu lassen und die Klippe, auf der das Hotel steht, ‘rauf zu kraxeln.

Da oben steht zurzeit das einzige angestochene Bierfass auf dieser Insel, nicht einmal das edle Fort Young Hotel kann damit aufwarten. (Kubuli, Dominica’s Pride – vom Fass – wird von einem Braumeister gebraut, der aus Deutschland kommt und etwas von seinem Fach versteht: Das Bier schmeckt wirklich ausgesprochen gut. Womoeglich spielt bei diesem Praedikatsurteil aber auch ein wenig die Tatsache mit rein, dass
1. dies fuer uns die ersten richtigen Biere seit langer Zeit sind,
2. wir am Rande einer recht hohen spektakulaeren Klippe an einer Bar sitzen und
3. unser Boot sehr klein unter uns in einer roten Abendsonne schaukelt.)

Der Kpt. un sin Fru geniessen die Getraenke, Line und Jonne geniessen Eis.

„Und … schmeckt’s?“, fragt Stefan.
„Nein“ sagt Jonne zwischen zwei Happen und schuettelt den Kopf. Knappe, aber klare Antwort.
Besser man fragt nicht, wenn man die schlimmste zu erwartende Antwort nicht hoeren mag. Aber der Junge kratzt vorsichtshalber trotzdem in sicherer Entfernung den Becher aus.

Der Kpt. gibt dem TO Stuetzpunktleiter vorsichtig zu verstehen, dass er bzgl. der Mooringleine kein gutes Gefuehl habe. Er tauche das Grundgeschirr taeglich ab und er glaube, dass sich der Zustand desselben rapide verschlechtere. Die (sehr dicke) Leine schamfile naemlich ueber den Beton-Dreifuss als Grundgewicht und werde wohl nicht mehr allzu lange halten. „Ich dachte nur, wegen deines Kumpels, der hier bald mit dem Katamaran festmachen will…“

Ueber die Biere wird befunden, dass die Mooringleine haelt, was sie ja auch tut, denn schliesslich sehen die Drei von der Bar auf der Klippe aus das Boot, wie es lustig umher schaukelt.

Der Kpt. un sin Fru bedanken und verabschieden sich bei bzw. vom TO Stutzpunktleiter Stefan, und natuerlich auch bei Beatrice und Harald von der Tauchbasis mit zwei Flaschen Wein, motoren zurueck zu ihrem Boot, gleichermassen erfreut wie enttaeuscht, das mickrige Plastik-Beutelchen mit diversen O-Ringen fuer insgesamt 180 USD endlich an Bord zu haben. Aber was soll’s, in Deutschland waeren die Gummis im Warenwert von 2 EUR sicherlich noch teurer gekommen (obgleich Katadyn eine schweizer Firma ist. Oder vielleicht gerade deshalb.)

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Es lohnt sich nicht, zu detaillierte Reiseplaene auszuarbeiten. Es kommt ja meist doch ein wenig anders. Eine ordentliche Planung heisst bei uns, dass wir ein Ziel und eine Ablegezeit haben, die aber so gut es irgend geht auch eingehalten werden will – ist sie erst einmal festgesetzt.

Das Ziel sind die Iles de Saintes suedlich von Guadeloupe. Das ist schon mal was. Aber nach zwei Wochen Zeit zum Ueberlegen vielleicht keine allzu grosse Leistung, zumal es die naechstgelegenen Inseln sind.
Bleibt noch die ETD.
Die Windrichtung, die Windstaerke und die zu segelnde Distanz gehen in eine einfache Rechnung ein (das macht mittlerweile dem Kpt sin Fru) und die ermittelte Reisedauer wird von der gewuenschten ETA zurueck gerechnet. Ankommen wollen die Vier in Terre-de-Haut nicht nach1600h. In diesem Falle steht am Ende der Rechnung (oder am Anfang des Tages) eine 9, was von allen Crewmitgliedern als eine ertraegliche Tageszeit empfunden wird.

Die Vier machen ihr Boot also frueh los.
Genau genommen sogar viel frueher als geplant – und nimmt man es ganz genau, brechen sie gar nicht auf, sondern die Mooring ab.

Harald, der nette deutsche Tauchbasisleiter und Besitzer der Moorings kommt mit seinem Motorboot rausgefahren, weckt die schlafende Crew und wuenscht ihnen eine gute Fahrt, haette aber trotzdem gerne seine Mooring wieder, die noch am Bug haengt und bereits ein paar hundert Meter mit auf’s Meer genommen wurde.
Die Insel, an der die Mooringleine festgemacht war, hat sich offenbar losgerissen.

Das war ja mal ein bemerkenswert geschmeidiges Ablegen!
Wie gut, dass der Wind ablandig ist, da bleibt ja sogar noch Zeit, die Augen aufzukriegen.
Dem Kpt. sin Fru startet derweil die Maschine, das Steuerrad wird angeschraubt und die Bojenleine von der Klampe abgetueddelt.

Der Kpt. un sin Fru lachen ein bisschen, auch Harald. Mehr aus Erleichterung, trotz der Nachlaessigkeit, den Ankeralarm nicht scharf gemacht zu haben, nicht an Land gespuelt worden zu sein, als wegen der etwas seltsamen Vorstellung, die Insel, vor der man ankerte, am naechsten Morgen nicht mehr vorzufinden.

Wir winken ebenso kraeftig wie wir uns bedanken und setzen die Segel. Etwas frueher als geplant, aber schoen ist er schon, der Sonnenaufgang.

Unter Maschine schleichen wir an der Kueste entlang bis auf Hoehe des Cape Capucin wie erwartet der Wind auf NE dreht und auf 25kn auffrischt. Fuer unsere Kutter-Besegelung ideal. Die Inseln koennen wir mit leicht geschrickten Schoten anliegen, aber es ist trotzdem ziemlich rau. Wir zwaengen uns durch den kantigen Felsdurchgang der Passe de Dames und haben nach 5½ Std. die insgesamt knapp 30 Meilen endlich hinter uns. In der Anse de Bourg gehen wir Wohl oder Übel an eine Mooring, die wir misstrauisch beaeugen. Aber mit Ankern ist auch hier leider nichts. Diesmal bleibt das GPS und der Anker-Alarm an.

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Salisbury – Fotosession mit Walter

Walter vom Tamarind Hotel kommt zu uns heruebergeschwommen. Der Kpt. holt Heike vom Strand mit dem Dinghi. Es gibt Kaffee ohne Ende und viele Geschichten. Die beiden werden die Antigua Classic Regatta auf der KAIROS mitsegeln http://www.sailing-classics.com.

Jonne schiesst mit seiner neuen Holzwurzel, die er am Strand gefunden hat. Walter zieht die Kamera aus dem Holster und schiesst zurueck. Endlich mal ordentliche Fotos von den Kindern mit richtigen Farben.

Immer noch kein Paeckchen.

 

 

 

 

 

 

 

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Salisbury, Dominica III

Warten auf Ersatzteile fuer den Wassermacher…

das Warten ist hier aber durchaus ertraeglich

 

 

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Roseau, Dominica II

Roseau, Dominica

Wir machen uns auf mit Hanne und Werner von der KIAORA und wollen das Innere der gruenen Insel erforschen. „The wrong Bobby Brown“, wie er sich uns vorstellt, ist der Richtige fuer uns und faehrt uns durch den Regenwald. Es wird ein grandioser Tag in einem unglaublich saftigen Dschungel voller Tiergekreisch und krachenden Wasserfaellen. Die Kinder entdecken grosse Krabben im Wald (eine teure Delikatesse), Kaffekirschen, Kakaopflanzen und einen kaum vom Untergrund zu unterscheidenen, riesigen Grasshuepfer, oder besser Baumhuepfer.

Eine kleine Felsspalte am Rande eines kleines Bassins ist der unscheinbarer Eingang in eine phaenomenale Grotte. Noch ein Filmset, an dem Pirates of the Caribbean gedreht wurde. Jonne reitet den Kpt. zwischen die Beine geklemmt in eine atemberaubende Hoehle, in der der vom Wasserfall produzierte Fallwind im Sinne des Wortes den Beiden den Atem nimmt. Milliarden von feinen Wasserkuegelchen schimmern wie ein Sternenhimmel an den schwarz-gruenen moosbedeckten Waenden und dicke Sonnenstrahlen stecken wie die Klingen aus Jonnes Waffenarsenal im glasklaren Wasser.

Soulcracking. Mindbogglingly beautiful. Leider macht die Kamera Wasser und stellt, bevor das Erlebnis festgehalten werden kann, die konservierende Arbeit ein.

Zwischen den Felsen am Grund drohen uns grosse Suesswasserkrabben mit ihren geoeffneten Zangen. Wir sind voellig alleine in der Hoehle bis dann auch Werner hineingetaucht kommt und sich von Jonne die Taucherbrille ausleiht. Jonne gibt seinem Seepferdchen die Sporen und das Gespann taucht wieder in die Freiheit. Wow.

Aber das ist erst der Auftakt. Wir bewegen uns durch kuehlen gruenen Dschungel zu weiteren Wasserfaellen, dem Mama und dem Papa, ein heisser und ein kalter Strom, deren Massen sich kurz nachdem sie sich in die Tiefe gestuerzt haben, vereinen. Die Steuerfru un sin Kpt. sind nachhaltig beeindruckt.

Fuer uns avanciert Dominica zu eine der schoensten Inseln des Antillenbogens.

 

 

 

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Roseau, Dominica

Roseau, Dominica

Tomorrow war vorgestern. Die 60 Meilen von Marin nach Roseau sind mit die angenehmste Strecke, seit wir in den kleinen Antillen sind. Wir rauschen unter Gross, Genua und Kutterstagsegel mit 8kn nach Dominica. Nach den Warnungen der NUBIA legen wir uns an eine Mooring (10US$) ausserhalb der Wurfweite boeser Jungs. Erwischen koennen uns hier allenfalls noch die Geschosse einer Steinschleuder, was nicht heisst, dass solche Treffer angenehmer waeren.

Dem Kpt. sin Fru legalisiert die Mannschaft bei der Immigration und die Flagge ‚Q‘ verschwindet wieder im Flaggenschapp.

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Tomorrow in Marin III

Marin, Martinique

Tomorrow ist ein Reizwort und kein Versprechen. Am Treffendsten laesst es sich hier in der Karibik mit dem voellig unbestimmenden Zeitwort irgendwann  uebersetzen. Manchmal auch mit nie, je nach lokaler Sprachfaerbung. Verbindlichkeiten fallen hier im franzoesischen Aussenposten der EU jedenfalls der totalen Entspannung zum Opfer, aber dafuer sind wir ja schliesslich hier…

Wir hoeren jeden Tag „tomorrow we will start“. Wir arbeiten also immer schnell, denn morgen ist bald. Der Mast ist am Abend gestrippt, die Schraubterminals sind nach Erhitzung abgeschraubt, die Rodwanten liegen – wie abgemacht – bereit zur Verarbeitung auf der Mole. Leider ist die erste Ersatzteillieferung, die so ruckartig hier ankam, unvollstaendig. Die „Noses“, das sind kleine Huelsen aus Bronze, die in die Augen eingeschraubt werden und die Zuglasten der Wanten aufnehmen, wurden vergessen – obwohl eine Zeichnung mit allen benoetigten Teilen (rot markiert) beim Chef-Rigger persoenlich abgegeben wurde. Ohne Noses kein Weiterarbeiten. Philippe von Caraibe Créement sieht das anders und startet einen vergeblichen Versuch den Bestellfehler herunterzuspielen: „Why do you want new noses? We can take the old ones. Pas de probleme“.
Der Kpt. hat das schon fast geahnt und zeigt dem Chef-Rigger eine der alten noses, die zwei Cracks hat.
Die Teile werden also nachbestellt.

„Okay, pas de probleme, the parts will arrive tomorrow“. Tomorrow. Alles klar, der Kpt. versteht.

Die Steuerfru un sin Kpt. ueben sich in Geduld und verlassen den Hafen Port de Plaisance halbverrichteter Dinge mit einem provisorisch verstagtem Rigg und gehen fuer unbestimmte Zeit wieder in der Cul-de-Sac vor Anker.

Und warten.

Puenktlich tomorrow treffen die Teile dann endlich nach drei weiteren Tagen per Fedex aus Frankreich ein.
Der Rigger hat schon vier Koepfe mit der Hydraulikpresse gestaucht, als der Kpt. dazustoesst. Die Laengen der V1 und V2 werden um minus bzw. plus 30 mm korrigiert und die Spreader-bends um 20 mm verschoben, um die extrem hochgeklapten Salingswinkel ein wenig zu normalisieren. (Mike, du wirst uns nicht wiedererkennen, vielleicht ankern wir ja schon neben euch… geh ma gucken).
Nach 2 ½  Std ist die Arbeit getan. Veranschlagt waren dafuer urspruenglich 32 (!!) Arbeitsstunden, im zweiten Anlauf 16 (!) Std., die  immer noch in einem gewissen Missverhaeltnis zur geleisteten Arbeit stehen. Als der Kpt. die Rods dann selbst polieren darf, weil nach der Mittagspause einfach keiner mehr kommt, wird ein drittes Mal an der Preisschraube gedreht. Am Ende sind es 10 Std., fair enough.

Der krumme Gewindebolzen des unteren Turnbuckles. Der Stud der D2 sah auf dem Atlantik aehnlich aus, kurz bevor er brach.

Wow! die Rods sind fertig. Und es ist nicht mal tomorrow. Morgen wird in den Mast aufgeentert und alles wieder festgefrickelt – und dann ab nach Dominica.

Am Vorabend klopfen wir bei unserem Ankernachbar, eine schoene Aluslup aus Deutschland an die Bordwand und laden den Eigner auf Bier zu uns ein. Nette Menschen kennenlernen geht hier schnell. Christoph bringt fuer die Kurzen Disneyfilme als Gastgeschenk mit – fuer die lange Strecke ueber den Atlantik.  Er selbst will solo durch den Panamakanal und dann weiter nach bewaehrtem Finanzplan, wie ihn hier praktisch alle Langfahrtsegler ausgearbeitet haben: Kurs halten bis das Geld ausgeht. Wir haben einen schoenen Abend und geniessen die warme Abendbrise.

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Sonntag, 1. April, 2012

Hurra! Alles klaaa. Kein Aprilscherz. Wir laufen morgen frueh (nicht tomorrow) gegen 0300 Uhr aus und gehen nach Dominica, auch wenn die NUBIA da unschoene Szenen erleben musste. Dichtungen fuer unseren Wassermacher liegen dort schon seit einigen Tagen bereit. Wir haben heute noch tolle Sachen hingekriegt: 400 Liter Wasser fuer 3 EUR gefasst, den Block des aussenliegenden Spifalls** ausgetauscht, den Oeldruckgeber erneuert und damit unser Oeldruckproblem korrigiert (20 Einheiten pro square inch unter dem Minimum) und unseren Windgeber mit einem GFK-Rohr verlaengert. Der war naemlich viel zu kurz und steckte bei achterlichen Winden in der totalen Abdeckung der Topplaterne.

**(ein aussenliegendes Spifall finden wir fuer unsere Zwecke hier uebrigens super. Der Kpt. entert daran ruck-zuck in den Mast auf, waehrend die holde Steuerfru ganz entspannt die Winsch abzieht)

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Marin, Martinique II

Marin, Martinique

Sieht man mal von den beiden airconditioned Supermaerkten und den drei Bootsausruestern ab, gibt es hier genau einen Punkt an Land, an dem man sich laenger aufhalten moechte – und das ist die auf Dalben stehende Mango Bar, wo aus den Spalten zwischen den Bodenbrettern hellgruenes Hafenwasser leuchtet. Das finden hier alle. Und so kommt’s, dass sich die Segler auf-langer-Fahrt und auf-lange-vor-Anker hier puenktlich zur Happy Hour einfinden. Man erfaehrt hier so das Wichtigste: Bei Bobby hat’s auf dem Boot gebrannt, die Deutschen lieben ihren Buegelanker und Gauk ist Bundespraesident. Das Ganze kostet dann nur 10 Bier fuer die Runde, zum halben Peis. D.h. man bestellt 5 Bier und bekommt 10. Wer 10 im Glauben bestellt, er zahle nur die Haelfte bekommt 20. Lustiger Abend.

Tachs drauf treffen wir zu unserer grossen Freude Katja und Ben von der CALISTO, die wir das letzte Mal in Gran Tarajal auf Fuerte gesehen hatten. Stunden spaeter sitzen dann alle inkl. Otto von der EISBAER III, und Sabine und Gerd von der STURMVOGEL bei uns zum Sundowner im Cockpit. Otto bringt uns seinen alten DOYLE fuer die Leewards mit (hier sind naemlich alle ausverkauft) und Sabine und Gerd ueberlassen uns ihr IRIDIUM Satellitentelefon fuer die Ruecktour. Sie hatten das Geraet fuer die Atlantikueberquerung gekauft, lassen ihr Boot aber in der Karibik. Wir sind ganz geruehrt von dem Vertrauen, das uns die beiden zuteil werden lassen.

Arbeitstag. Einkaufen. Die Lackierarbeiten vom Vortag sind alle gut geworden. Trotz der naechtlichen Sturzbaeche uns entsprechender Feuchtigkeit. Die Kunststoffhuelsen der schwergaengigen Gas- und Gangschaltung haben irgendwann mal Oel abbekommen und sind aufgequollen. Der Steuerstand wird zerlegt, die Huelsen aufgerieben und alles wieder zusammengebaut. Jetzt laeuft alles wieder ganz butterweich. Das Kuttersegel, das sich am Kopf in den windreichen Buchten aufschamfilt hat (im Segelsack an Deck), wird fuer den Segelmacher vorbereitet, damit er nur noch druebernaehen muss. Bezahlt werden will er dafuer nicht. Aber er bekommt trotzdem 10 EUR unter unter den Naehfuss geklemmt.

 

Arbeitstag. Und gleich eine gute Nachricht zum Start: Die Navtec turnbuckles sind endlich da! Die Operation Wanten auswechseln laueft an. Wir bekommen darueber hinaus alle Ersatzteile fuer die Maschine (4 Diesel Feinfilter, 4 Oelfilter, und 1 Oil pressure switch, den wir norduerftig repariert hatten)

– und vom Rigger Oliver kriegen wir den Wink, dass eine der begehrten Boxen vor den Rodriggern frei geworden sei. First come, first serve. Wir gehen sofort ankerauf und rammen uns in die Box vor den Containern. Nach 2 Std. Arbeit im Mast liegen die alten Wanten auf dem Deck. Leider auch fast zwei Finger, die sich der Kpt. beinahe im Topp im Bootsmannstuhl abgeschnitten hat. Die Steuerfru fiert sin Kpt. zusammen mit den blutenden Fingern an einem Stueck aus dem Rigg und troestet ihn ein bisschen. Die verletzten Finger werden verbunden und in Lederfingerlinge gesteckt, dann geht’s ab zur Geburtstagsparty von Bauke auf der hollaendischen SY BO. Schoener und ergebnisreicher Tag.

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– Jonne und Line spielen Jacques Mayol aus dem Film Le Grand Bleu, den sie auf einer aufgespannten Leinwand am Strand in der Cumberland Bay gesehen hatten.
Moin Achim, wir denken an dich und deine Maedels!! Dem Jungen entgeht kein Detail: Die Nasenklammer muss auf die Nase, sie muss angebunden sein und einer muss mit den Fingern von fuenf auf null zurueckzaehlen. Die Null muss eine Faust sein. Dann wird die Luft angehalten, bis was platzt…

– In der Hand des Kpt.: Ein No-see-‚em Mosquito
– ship that came to grieve on a close by reef…
– yole sailing
– verbogener Turnbuckle/Stud
– Frueh uebt sich: Telefonistin

 

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Marin, Martinique

Marin, Martinique

Alles muss neu. Der untere Toggle ist aufgebogen, der Stud ist krumm.

Wir geniessen den Anlieger nach Marin bei bummeligen 20kn Wind. Irgendwie laeuft der Hobel hääääärrlich duch die kleine Welle. Nach 5 Std. rasseln 50 Meter Ankerkette durch die Kluese. Die Ecke der Insel erfreut zwar nicht das verwoehnte Auge eines Touristen; hier liegen hunderte von Booten und das Wasser ist grau und wir muessen den Anker „blind“ einfahren. Aber Marin ist ein El Dorado fuer Ersatzteilsuchende: Arbeiten am Rod-Rigg stehen an – und Rod-Rigger gibt’s nur hier und in Antigua.

Wir haben ein Crack mit eiem feinen Roststrich in der Hauptwant entdeckt (V1) und der Navtec Turnbuckle hat auch einen Schlach wech. Wir werden V1, V2 und D3 wechseln. Aus den 32 Arbeitsstunden á 50 EUR werden nach Nachverhandlungen 16. Der Kpt. muss allerdings alles selbst machen.

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Marigot, St. Lucia

Marigot Bay, St. Lucia .

Das kleine hurricane hole am oestlichen Ende des langen Inlets ist echt schoen. Die kleine Lagune ist umgeben von langen Palmen, einem dichten Mangrovenguertel und einer hoelzernen Steganlage. Wir finden einen guten Platz und lassen den Anker in den weichen Grund sinken. Die ROBEYNE und die NUBIA kommen mit Keksen und wir freuen uns auf das Farbspektakel der Sonne, die zwischen den Palmen untergehen wird.

Leider haelt hier der Anker nicht lange. Nicht wegen des Schlickgrundes und der Mangroven, an denen wir uns wunderbar festmachen, sondern wegen eines weissen Schlauchbootes, auf dem jemand harbour control geschrieben hat, und wegen eines Mannes darin, dem ein weisses T-shirt ein gewisses Mass an Autoritaet verleit. Nachdem wir uns weigern, eine 30 US Dollar Mooring in Anspruch zu nehmen, (laut Doyle darf bei bei genuegend Platz in der Bucht naemlich geankert werden) spricht der Mann klare Worte: „Listen. You finish tea and ‚ten you move. My boss says cut the chains, cut the lines and let’m go. But I’m a nice guy. I’d never say those words, of course, because I’m a nice guy… “

Die No-see’ems-Mosquitos fliegen ihre ersten Angriffe und nerven sowieso so nah an den Mangroven. Wir gehen also wieder ankerauf und legen uns noerdlich des Kanals im Inlet.

Doolittle sundowner

Der Abend wird klasse. Wir treffen uns am kleinen Strand und spielen bis zur Happy Hour ein bisschen Fussball vorm Doolittle unter den Palmen. Zwei Kokosnuesse klatschen aus gut 20m Hoehe unweit von uns auf den Strand. Wow. What’n impact! Zeit fuer eine Palette Sundowner im Doolittle. Die Kinder geniessen die professionelle Unterhaltung von Bernhard, der, wie er behauptet, ueber 70 ist. Das Programm fuer den Abend: Schatzsuche, Froschhopsen, Tanzen, Billard, Tischfussball.

 

 

 

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Soufriere, St. Lucia

Soufriere, St. Lucia

Friend Bagga, St. Vincent

Wir lassen die „gefaehrliche“ Insel St. Vincent, vor der die meisten Autoren warnen, auf der wir uns jedoch sicher fuehlten und ausgesprochen liebenswuerdige boat boys kennenlernten, in den Regenwolken achteraus.

Fuer uns ist jede neue Insel eine Ueberraschung, auch wenn nur wenige Meilen dazwischen liegen. Die Vegetation ist eine andere, die Muecken sind andere, und die Menschen sind anders drauf.

Das zeigt sich dann meist schon waehrend der Ansteuerung der Bucht. Wir machen auch hier die Erfahrung, dass die Mentalitaet der Einheimischen tatsaechlich sehr inselspezifisch ist (und natuerlich immer in Wechselwirkung mit dem eigenen Verhalten steht). Manchmal, wie hier, gibt es aber wenig Gelegenheit, gegenseitige Sympathien aufzubauen. Nachdem uns ein high speed boat boy in Form und Farbe einer Holzzigarre fast penetriert und uns entsprechend hartnaeckig eine Mooring zuweisen will, weisen wir ihn freundlich mit den Worten: „Sorry, my friend, we want to try it ourselves“ ab. Wir ernten die ersten bitterboesen Voodoo Blicke. Wir ziehen die Brauen hoch:  Was die Sicherheitslage angeht werden wir vorsichtig sein.

Die Gastlandflagge von St. Lucia und Quebec gehen an Stb. hoch. Sieben Std. nach Verlassen der Cumberland Bay liegen wir an einer Mooring ganz in der Naehe einer Fledermaushoehle am Rachete Pt.

Fledermaeuse in der Bat Cave

Die Waende der Felsspalte leben und wabern wie braune Lava. Der Gestank ist fast unerträglich, wenn man nahe genu dran ist. Die ROBEYNE legt sich an eine freie Mooring vor uns. Wir hoffen, dass die letzte verbleibende Mooring dicht unter der Felswand bedrohlich genug wirkt, dass sich auch bloss keiner wagt, daran festzumachen und sie fuer die NUBIA frei bleibt. Wer hier im Dunkeln einlaeuft hat nur mit einem guten Suchscheinwerfer eine Chance, eine Mooring auszumachen.

Das Boat-Boy-Begruessungskommitee am Dingianleger (dieses Mal sind es tatsaechlich Kinder) macht dann auch keinen gastfreundschaftlicheren Auftakt als die Vorhut und verlangt 5 EC-Dollar Schutzgeld fuer unser Dingi. Der Junge weist uns unmissverstaendlich darauf hin, dass es hier sehr ueble Gestalten gaebe und wenn wir nicht bezahlen, koennte es sehr gut moeglich sein, dass der Motor oder das Benzin fehle, wenn wir zurueckkommen. Daraufhin meint der Kpt., dass die einzige Person, die er saehe und welche fuer so eine miese Tat in Frage kaeme, vor ihm stehe und ob er es denn vielleicht sei, der es auf den Motor abgesehen haette. Der Blick des Jungen vermittelt Eindeutiges: I tell you, dey will come  if  I don’t watch your dinghy, mon, I tell you!“ Wieder eine kleine Lektion in Voodoo-Zauberei fuer Fortgeschrittene.

Wir bezahlen trotzdem nicht, lassen dafuer unser Dingi mit einem unguten Gefuehl zurueck. Der Beamte der Einklarierungsbehoerde raet uns dann auch unzweideutig, das Dingi nachts unbedingt an Deck zu laschen und den Motor anzuschliessen, was wir sowieso immer machen.
Als wir zurueck kommen, verlangt der Junge die 5 EC-Dollar. Er habe schliesslich auf das Dingi aufgepasst. Wir sind genervt. Der Kpt. erlaubt sich einen gefaehrlichen Spass in einer high-pitched-local-voicelanguage, was fast zum Eklat fuehrt:  „You watch fo‘ dad dinghi?? You watch fo‘ dad dinghi? It‘s brokan, mon, the outbord engine is broken! – So I charge you a fiver! Give me 5 EC-Dollar and we will fo’get about it” – und haelt die Hand auf. Der Kurze kommt mit dem Rollentausch nicht zurecht und wird aggressiv.

„Just kiddin‘ – never try to get payed fo‘ what you were not supposed to do, my friend – and fo‘ what you haven’t done“, schiebt der Kpt. schnell hinterher. Zu spaet. Der Kurze tritt nach unserem Dingi und beschimpft uns auf’s Uebelste. Die Mutter rollt ueber den Steg heran, an ihrer Seite ein kampfbereites schwarz-glaenzendes Familienmitglied. Die Ueberzahlsituation sieht gar nicht gut aus. Der Kpt. fragt: „You go to church, uh? You go to church?“ So eine Frage darf hier nicht unbeantwortet bleiben. Ein kurzer erster Kontakt entsteht. Goot-sei-Dank nur akustisch. (-Yes we do, ist die Antwort). Es loest sich dann alles wie Kakao in Milch mit einem Laecheln auf.

Unsere Faeuste beruehren sich. Gott-sei-Dank landesueblich und freundschaftlich; dann die Faust theatralisch auf’s Herz. Ya mon. Alles wieder fast gut. Puh-hae.
Wir gehen mit unseren liebgewonnenen Hollaendern schnell acht kalte Biere im Skipper’s trinken und wissen, dass wir hier bestenfalls zwei Naechte bleiben werden. Dann kommt auch die NUBIA und macht an der ihr vorbestimmten Mooring fest.

Der naechste Tag sieht schon wieder viel besser aus, auch wenn die Sonne nicht scheint und der grandiose Petit Piton seine Spitze in eine dicke Dunstschicht steckt. Wir wollen in die heissen Quellen. Kaum betreten wir den Anleger, gehen die Spielchen mit den Kindern von vorne los. Die bewaehrten Zauberformeln werden gesprochen (good morning my friend, what’s your name, how are you doing today, how old are you, my friend? No I’m sorry, I will watch fo’ my Dinghy myself) helfen aber aehnlich wenig wie Voodoo Blicke.

Ein Taxifahrer draengt sich uns auf: Er will 40 US Dollar fuer eine Fahrt zu den heissen Quellen, die praktisch in Sichtweite entfernt liegen. Als Mike meint, dass 40US$ fuer 5 min Fahrt ja reichlich viel sei, und wir uns da lieber einen anderen Fahrer ausschauen wuerden, wird er inselspezifisch boese: Das seien von der Regierung festgelegte Preise und wenn er nun so komme, wuerde er uns UBERHAUPT nichts verkaufen! Wir sind alle etwas konsterniert und nehmen uns einen Taxifahrer der angemessene 30 EC-Dollar verlangt. Nunja, das hoert sich nun nicht so nett an, aber hier, auf dieser Insel fuehlen wir uns das erste Mal unwillkommen.

In den Quellen werden wir endlich wieder sauber. Das warme, stark kupferhaltige Sulphurwasser verhindert dann auch gleich jeden weiteren Bewuchs auf der Kopfhaut auf unbestimmte Zeit, was der Kpt. als positiven side-effect gerne in Kauf nimmt.

 

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St. Vincent, Cumberland

Cumberland, St. Vincent

Gegen Mittag gehen wir ankerauf und laufen unter Maschine eine Bucht weiter in die Cumberland Bay.
Die NUBIA kommt am naechsten Morgen nach und mit ihr die hollaendische Stahlslup ROBEYNE mit Rene und Bernhard, Produzent von „Spiel ohne Grenzen“.
Wir sind alle bereits ausklariert, also Illegale, koennen uns aber einen Besuch der grossen Wasserfaelle nicht entgehen lassen, bevor wir nach St. Lucia weitersegeln.

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Wir rasen mal wieder mit dem Kleinbus durch die Idylle zu einem Wasserfall. Den letzten Kilometer geht’s zu Fuss weiter. Wenn wir bisher das Wort Regenwald in irgendeiner Form benutzt haben sollten, muss die Worthuelse nach diesem Ausflug ins Inland wohl semantisch neu besetzt werden:  Was wir jetzt zu sehen bekommen beinhaltet eine Neudefinition der Farbe Gruen, es ist der absolute totale Wachstum. Der Buschteppich ueberzieht ganze Steilklippen, Blaetter sind so gross wie Einkauswagen, die Bäume sind schwer beladen mit uns unbekannten Fruechten, und weit ueber uns schwanken Palmenkronen an wahnsinnig langen Stangen hin und her.

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Mit physikalischen Gesetzen hat das hier nichts mehr zu tun. Wir sind in einer voellig anderen Welt. Am Wegrand bestaunen wir eine kilometerlange, ueber einen Meter dicke fassartige Pipeline aus kanadischem Holz, wie uns ein netter Buscharbeiter erklaert. An einigen Stellen sind die Bohlen des Holzrohres mit kleinen Holzkeilen auseinandergetrieben und bewaessern anliegende Bananenstauden. Wer dreist genug ist, dreht sich einfach einen Wasserhahn in das Holz.

Der Weg fuehrt ueber eine lange Bruecke aus Bambusstangen. Am Ende lassen wir uns vom Wasserfall weich pruegeln.

[Die guten Bilder mit freundlicher Genehmigung der NUBIA-Kunstproduktion]

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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St. Vincent, Wallilabou – Filmset „Pirates of the Caribbean“

Wallilabou, St. Vincent

Die Bucht ist klein und duester, aber spektakulaer in die hohen schroffen Lavawaende gefressen und fast immer mit schweren Wolken verhangen. Wir sind ins alte Filmset von „Pirates of the Caribbean“ hineingedriftet, in dem ueberall noch Spuren der Filmindustrie zu finden sind. Eine spannendere Bucht kann man fuer das Genré nicht finden.

Kaum ist der Anker gefallen und die 50m Festmacherleine am Betonpfeiler einer Gartentuere festgekommen, verschwinden die aufgedrehten Kinder mit der TIMPETEE in den Requisiten des kleinen total heruntergekommenen Filmmuseums und werden von der Besitzerin (in zum Teil Originalkostuemen) erst mal ordentlich eingekleidet.

Die Unterschrift von Jonnes Lieblingsschausspieler Jonny Depp im Totenkopp

[…]

Kollektives Duschen der TIMPETEE und HITCH-HIKE-HEIDI unter einem kleinen Wasserfall.

 

 

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Canouan – Charlestown Bay

Datum: 01.03.2012 Position: 13°00,31N 061°14,54W

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Charlestown Bay, Canouan

Wir laufen die Charlestown Bay vor Canouan an und gehen noch bevor der Wind richtig auffrischt vor Anker. Waehrend Steffi ganz langsam achteraus geht, haemmert der Kpt. in 5m Tiefe mit einem grossen Stein den Anker in den harten Sandboden, was so zur Routine geworden ist. Die runden Fluken des Bruce-Ankers sind fuer den z.T. steinharten Grund einfach nicht gemacht. (Unser naechster Anker wird ein Buegelanker sein.) Ein zweiter Plattenanker wird mit dem Dingi ausgebracht und ebenfalls in den Boden gerammt. Dann wird’s windig.

Als Steffi im Morgengrauen aus dem Schiebeluk linst, sieht das Dingi in Form und Farbe veraendert aus. Es ist schwarz und der Aussenborder fehlt.

„Habt ihr euren Motor abgeschraubt?“, toent es von der NUBIA herueber, die unweit von uns liegt. Steffi untersucht das Boot optisch so gut das eben geht, wenn man den Wachzustand erst seit zwei Minuten erreicht hat.

„Ööja, denk schon“. An seiner Halterung am Heckkorb haengt der Motor aber nicht. Dann daemmerts.

„Öönein. Volker komm doch ma schnell hoch, …
das Dingi ist gekentert.“

Schnelle Luft hat unser Dingi achteraus ueber Nacht einen Salto schlagen lassen. Der Aussenborder lag sicherlich einige Stunden kopfueber unter Wasser und muss zerlegt werden. Das passiert dann auch umgehend noch vor dem Fruehstueck. Nach dem Fruehstueck wird das Dingi ohne Motor Gegenstand einer kleinen Versuchsanordnung. Wir wollen herauszufinden, wie das Schlauchboot in den kernigen Fallböen festgemacht werden kann, ohne Gefahr zu laufen, abzuheben und sich zu ueberschlagen. Unser Versuchsergebnis: Das Dingi wird ab jetzt mit dem Heck in Windrichtung festgemacht, dann passiert nichts.

 

Canouan wird in unserem Karibikfuehrer als das Armenhaus der kleinen Antillen beschrieben; und tatsaechlich erinnert uns die Insel ein wenig an Barbados. Alte Kuehlschraenke, das Gehaeuse einer Naehmaschine, alte Motorenbloecke oder rostende Stahlfaesser liegen vor den einfachen Holzbuden im Gebuesch. Dabei ueberblicken manche Haeuser an unglaublich schoenen Standorten auf der schmalen hohen Insel den Atlantik zu beiden Seiten hin (den Atlantik und die Karibische See) und sind dabei gerade so gross, dass sie eine Familie eben beherbergen koennen. Die gesamte noerdliche Haelfte der Insel ist saftig gruen – aber sie ist ein Hotelresort und fuer die Inselbewohner und auch fuer uns unzugaenglich.

Am Tag drauf gibt’s einen schoenen Ausflug zur Old Hegg Turtle Sanctuary von brother King.
Unbedingt mal bei der NUBIA auf der Website reinschauen! Katja und Mike rufen zu einer kleinen Spende fuer Orton King auf, der mit seiner Arbeit den Bestand der vom aussterben bedrohten Hawksbill Turtle zu stabilisieren versucht. Brother King ist ein alter Spearfisher, der das Riff von Kindes Beinen an kennt. Er konnte oder musste die rasante Abnahme der Schildkroetenpopulation quasi in einer lebenslangen Studie miterleben. Orton brother King buddelt einen Teil der gelegten Eier aus, laesst sie geschuetzt ausbrueten, pflegt und fuettert die Kleinen sie bis sie 5 Jahre alt sind, um sie dann (markiert mit zwei kleinen Loechern am hinteren Ende des Panzers) in die Freiheit zu entlassen. Spendet ma jeder ein oder hundert Euro oder so. Jeder EC-Dollar, der hier landet, ermoeglicht einer Schildkroete das Weiterleben (siehe Mikes Sammelaktion unter Tobago Cays, Canouan und Bequia

 

 

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Admirality Bay, Bequia

Ihre Durchlaucht – out of the picture

Der Anker faellt und wird unter Wasser wie immer mit einem Stein in den Grund gehauen. Im sonst gemuetlichen Dorf Port Elizabeth der Nachbarinsel herrscht ploetzlich reges Treiben, das merkt man sofort. Der Strand wird hektisch ein bisschen gereinigt, ein roter Teppich wird auf dem Dingianleger ausgerollt und der Anlandebereich via VHF abgesperrt.
Auf Kanal 17 wird durchgegeben, dass Durchlaucht wartet, aber erst anlanden darf, wenn der Ex-Aussenminister bereits an Land ist.

Die Spezialeinheit draengt uns ab

 

Hat etwa da einer seine Termine vertrottelt? 

Prinz Edward un sin Fru kommen naemlich auf’n Sprung vorbei. Wir haben extra Kaffee gemacht, aber Ihre Hoheit braust dann mit Ihrer Escorte an uns vorbei.  Als wir die Verwirrung des ‚Royal Couples‘ bemerken, starten Maarten und der Kpt. sofort das hochmotorisierte Dingi der LOLA und fliegen den hoheitlichen Booten hinterher, werden aber von der Marine Spezialeinheit abgedraengt. Der Prinz findet das mit Scherheit sehr witzig und muss hart arbeiten, um ein unkoenigliches Grinsen zu unterdruecken.

Durchlaucht und Gefolge

 

[…]

Nick und Kpt.

Das freiherzige Sprechen ueber VHF bzgl. des nicht ganz legalen Hantierens mit den Harpunen wird von den Herren allenfalls auf Deutsch als unbedenklich eingestuft. Ein Code wird eingefuehrt. Die Jungs der TIMPETEE, der BORNE und der HITCH-HIKE-HEIDI verabreden sich nunmehr ueber VHF nur noch zum Tennis spielen. „Shall I bring my spare tennis racket?“ flaxt Nick, der sowieso immer ein ganzes Arsenal (fuer jede Fischspezie eine Spezialrakete) mit sich im Dingi fuehrt und auch gelegentlich schon mal von einem Hai gebissen wird. An der Steilkueste im suedlichen Ende der Bucht hat Nick noch ein appointment mit einem ganz grossen Spieler, der ihn am Vortag zu einem Match herausgefordert hatte. Das Trio moechte auf keinen Fall zu spaet zu der Verabredung kommen und die drei Froschmaenner duesen die endlos lange Strecke hinueber zur schaeumenden Steilkueste.

Der grosse Jack ueberlebt ungeschlagen und unverletzt im Riff. Der Kpt. allerdings torpediert sich selbst mit sin Kopp beim Aufsteigen an die Schraube des Aussenborders und haut sich (wie gerne mal) eine weitere Kerbe in den Grind. Der Schnitt wird spaeter an Bord fachmaennisch zusammengeleimt und der Kopf des Kpt. wieder in Form gebracht. Und wo man gerade bei der blutigen Fleischarbeit ist, wird auch gleich die vom Kpt. erlegte Yellow Fin Makarel filetiert, eingelegt und abends als Sushi der NUBIA und TIMPETEE serviert. Es wird alles artig aufgegessen.

Die zerebralen Langzeitschaeden des Kpt. aufgrund extensiver Sauerstoffunterversorgung bleiben den abendlichen Gaesten von der NUBIA und TIMPETEE leider nicht verborgen. Darueber hinaus scheint auch die Kontaktwirkung der Motorschraube ihren Teil zum wiederholten Scheitern des Kpt. beizutragen, der einen echten sehr kurzen Witz erzaehlen will. Hier die korrekte Version des (meines Wissens) wahren Ereignisses zum Nachlesen.

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Der Witz ist ein Telefonat und geht so:

Ein Schueler rief wohl fruehmorgens in einem Gymnasium in Eckernfoerde an und meinte mit verstellter Stimme: „Der Thomas kann heute nicht zur Schule kommen. Er ist krank.“
Darauf fragte die Sekretaerin: „Ja, und wer spricht da bitte?“

„Mein Bruder“

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Union Island -> Tobago Cays

Chatham Bay, Union Island

Nach ueber dreitausend Meilen koennen wir endlich wieder unsere lieben Freunde von der THOR mit Getroet in der Chatham Bay vor Union Island in Empfang nehmen. Wir freuen uns alle riesig, als ploetzlich der weisse Eisenhammer mit dem unverwechselbaren roten Schriftzug an der Bordwand in der Bucht aufkreuzt. Das letzte Mal hatten wir sie in Portugal getroffen. Sie paddeln zu uns rueber und es werden sofort Reisetipps ausgetauscht.

Wir lernen endlich Mel und Nick von der BORNE kennen, die mit ihrem 9m Holzboot unterwegs sind. Nick ist Freediver – der dem Kpt. erst mal zeigt, wie man richtig unter Wasser arbeitet. Er legt sich naemlich mit seiner panzerfaustartigen Speargun reglos in 10m Tiefe auf den Grund und wartet, bis ein Barrakuda vorbeikommt. Die Bucht ist voller Fische, der Strand hier ist weiss und endlos, und die boat boys und Betreiber der einfachen Bars sind ungeheuer nett (You can bring your own fish and chuck it on the barbie, I will provide the side dishes if you like. The price is up to you.). Unsere Fische landen dann auch fast jeden Abend auf dem Grill von Tims Bar ganz im Norden der Bucht.

Eine Mooringboje hatte sich zum Jahreswechsel von ihrem Grundgeschirr geloest und ist mitsamt des daran festgemachten 50ft Katamarans auf eine letzte kurze Reise auf die Rockies gegangen. Der Strandbereich ist gesaeumt mit Bruchstuecken der Yacht. Never trust a mooring. Das ausgeweidete Wrack kracht und zuckt in der Brandung, dass einem angst und bange werden kann. Es wird vom Kpt. un sin Sohn sofort mit einem grossen und einem kleinen Eimer Werkzeug auf verbliebene Beschlaege hin untersucht. Ein Schlachtfest fuer die beiden Strandraeuber. Die Beute: Ein Facnor Travellerschlitten, der auf unsere Harkenschiene passt, ca. 100 V2A Holzschrauben, ein Sack voll Teakholzleisten und ein krummes VA-Blech, in dem Jonne sofort einen unschaetzbaren Wert erkennt und in den Guertel klemmt. In dreien der Teakhoelzer erkennt der Kpt. die passenden, dringend benoetigten Leisten fuer den vorderen Niedergang, der zum Buecherregal umfuntioniert wurde. Und tatsaechlich stimmen die Bohrungen auf den Millimeter!

Wir bleiben knapp eine Woche in der Traumbucht.

 

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Horseshoe Reef, Tobago Cays

Die anderen Boote sind bereits weiter in den Norden in die Tobago Cays gezogen. Wir verlaengern unseren Urlaub um einen Tag. 6 Fische werden fuer Roberts Geburtstagsparty noch aus dem Riff besorgt, bevor wir dann auch ankerauf gehen und hinterher segeln. Richtig erfolgreich war allerdings nur Robert, der einen beachtlichen Barrakuda gefangen hat. (Bilder zum Fisch gibt’s auf der TIMPETEE-Seite, siehe Das Monster und die Cays). Der Kpt. der TIMPETEE hat uebrigens ein Buch geschrieben, das wir natuerlich alle gelesen haben – man kontrolliere also an dieser Stelle die Vollstaendigkeit seines Buecherregals und leite bei einer Luecke entsprechende Massnahmen zur Behebung ein…

Lesetipp

Wir steuern das Riff der Tobago Cays vom Sueden her an und werfen puenktlich zur Party den Anker westlich des horseshoe reefs. Das Wasser unter uns ist unsichtbar und unser Boot schwebt wie ein Raumschiff im luftleeren Raum ueber einer seltsam ueberbelichteten hellblauen Erde. Beim Ankercheck wird schnell klar: hier gibt es sehr viele sehr grosse Fische. Aber das Riff ist taboo. Wir kaufen also einen halbtoten Lobster fuer Robert von einem boat boy (der das Tier mit Sicherheit auch aus dem Riff hat), haben aber vergessen, dass das Geburtstagskind an einer schlimmen Rezeptorenkrankheit an der Zunge leidet. Ganz aehnlich der Umkehrung des heiss-kalt Empfindens bei einer Ciguateravergiftung, fehlinterpretiert der arme Mann naemlich das nicht zu uebertreffende kulinarische Erlebnis eines geroesteten Krustentieres als minderwertig.

„Datt schmeckt nich“, sechter, der Bremerhavener.
„Ich ess ihn natuerlich trotzdem“, fuegt er schnell hinzu, als er unsere erschrockenen Gesichtsausdruecke analysiert. Der Rest des Gelages erbarmt sich spaeter mit grosser Hingabe des 5min gekochten, dann geroesteten Lobsters. Die anderen Fische werden ueber dem Lagerfeuer knusprig gebraten, waehrend die Kinder mit gluehenden Fackeln unter den Palmen durch die Nacht laufen. (Bilder gibt’s auf der Seite der NUBIA unter Tobago Cays, Canouan und Bequia)

Am naechsten Morgen bringt Robert Wetterinfos. Der Wind soll zunehmen. Die TIMPETEE geht ankerauf und macht sich auf den Weg nach Bequia. Der Kpt. un sin Fru finden die Ansage auf dem SSB Wetterfax bestaetigt. Es werden zwei Moeglichkeiten diskutiert: Entweder Schutz suchen hinter Petit Bateau und eingeweht werden – oder das Zeitfenster nutzen und nach Canouan aufbrechen. Die Entscheidung faellt schnell und wir segeln der NUBIA hinterher.

Leider muessen wir uns jetzt von der THOR verabschieden, dieses Mal wohl fuer sehr viel laenger…
Gute Fahrt, liebe Christine und lieber Christian. Passt gut auf euch auf!

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Union Island – Boutique, boat boy

Der Kpt. un dem Kpt. sin Fru werden zusammen mit den Kindern von Hermann da German, einem Local, zu einer Party eingeladen. Deutsche Vornamen sind hier sehr beliebt. Hermann führt sie zu einem hellblauen Rumshop ueber dessen Tuer ein selbstgemaltes Schild haengt, „Licensed to sell intoxicating liquors“.

Elvis plaerrt aus der Holzbude, und aus irgendeinem Grund geht von den Leuten davor eine besonders liebenswuerdige Energie aus. Im Garten wird im Dunkeln zusammen gegrillt, getanzt und getorkelt.
Es ist ein Empfang wie unter alten Fischerfreunden. Man gibt sich die Hand, umarmt sich, klopft sich auf die Schultern und erinnert sich gegenseitig daran, dass man nicht verzweifeln, sondern immer schoen gluecklich sein soll.

Eine Flasche Rum, extra strong, wird von uns, wie das hier so ueblich ist, fuer die Allgemeinheit bereitgestellt – den Inhalt der Flasche meiden wir allerdings tunlichst: Mit 85% hat das Getraenk die Oktanzahl von Benzin und den ausbleichenden Effekt von Aceton, was so seine sichtlichen Spuren in den farblosen Augen der Fischer hinterlaesst.
Die Einnahme des Betaeubungsmittels geht so: Ein Schluck aus der Buddel und dann schnell ein Schluck aus einer Wasserflasche gleich hinterher. Der Zeitraum dazwischen wird moeglichst kurz gehalten, verlaengert sich aber zunehmend mit steigendem Pegelstand und faellt im Spaetstadium motorischen Ausfaellen dann ganz zum Opfer. Wenn hier die Zündung nicht richtig eingestellt ist, kann auch schon mal die Pleuelstange brechen…

Die Strippen zieht hier Betel, das wird schnell klar, eine dickliche Frau, die genau weiss, wie sie ihre traurigen Jungs zurechtschneiden muss. Die boat boys kuemmern sich ganz ruehrend um uns. Hermann kommt immer wieder mit Neuigkeiten, ein super Programm wird naemlich aufgefahren: „Next, you get drink. Free drink.”
Wir kriegen prompt zwei kalte Dosen Bier und geniessen den Abend, tanzen mit den Kindern und lernen sie alle kennen, die boat boys. „You feel good? Be happy. Everything is free.“ Wir kaufen noch eine Flasche Rum und stellen sie auf den Tisch.

„ Next, you get food – chicken food. Good traditional food. Everything is free”.

Das mit dem Food klappt nicht. Macht aber nichts, denn Hermann weiss zu troesten:
„Next, Bunga set up a system, a big system. Bunga set up a system“. Die Box, die angeschleppt wird, ist so groß wie ein amerikanischer Kuehlschrank. Sie klingt auch wie ein Kuehlschrank. Macht aber nichts. Es ist ein lustiger Abend. Ab und an leuchtet ein gelbes Augenpaar eines freundlichen locals vor uns auf: „You feel good? Don’t worry, be happy.“

Cook Stefan, die Lambis immer im LED Lichtkegel

Hermann kommt wieder:„Next, you get lambi. Good traditional food. Stefan cook Lambi for you. You get lambi, traditional food”. Man gewoehnt sich dran: das dritte-Person-‚s‘ fehlt aus irgendeinem Grund, es wird bis auf wenige Ausnahmen im Praesens gesprochen und der bedeutungstragende Inhalt wird mindestens zwei Mal wiederholt, damit ja keine Info verloren geht. Das aendert wenig daran, dass das Programm auf die Dosenbiere beschraenkt bleibt, was dem Erfolg der Party aber keinen Abbruch tut. Als die Kurzen muede werden und wir uns von unseren lieben Gastgebern verabschieden wollen, laesst uns Stefan nicht gehen, bevor wir seine Grillage probiert haben. Er stiehlt (unter den wachsamen Argusaugen von Betel) von seinem eigenen Grill zwei Menues, die uns ganz hervorragend schmecken. Endlich: Die Chicken. Zwei Haufen Lambi sind auch dabei. Man kommt kaum drum herum.

„Whose birthday party is it?“

Ein Mann glaenzt gegenueber, als sei er schwarz lackiert.

„Boutique…“ , erzaehlt er uns. „He is a niiiiice boat boy.“ Die Vokale in der Mitte des Satzes werden gedehnt, fast gesungen. „We aaaall are boat boys. Take caaare of da dourists.
Boutique never has problems. He isa nice guy. We aaaall like ‚im.
Oderwise, da wouldn’t have come sooo many people to his funeral celebration.”

Funeral? – Ach du liebe Schaise, wir sind auf einer Beerdigung!

“He live in my house. He goo out do Canouan wid’is opan boat two weeks ago.
He never come back. He goo out in rough weadder.
He never come back. He can’t swim.
He dies in da rough weadda.
Idiiis very dangerous.
Many boat boys die, when da engine break down” … “
Dat’s why we have dis party.
Idis Boutique’s funeral celebration. We call ida wake. If he hadn’t be a nice guy no one would have come. No one”

Und dann weint er ein wenig. Und wie er uns seine Geschichte erzaehlt, klingt es fast wie Prosa.
Wir sind beruehrt, verabschieden uns und fahren zum Boot.

Gut ueberlegen, Leute, bevor man einen boat boy der an den Rumpf klopft entnervt  abweist.

Bilder haben wir von der Trauerfeier nur eines gemacht.

 

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